Täuferbewegung Fremdwahrnehmung und Selbstbilder im 16.–17. Jahrhundert

Erstellt am:

Tübingen, Theologicum

Tagung an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, vom 01.-03.10.2021

Leitung:

  • Dr. Jonathan Reinert
    Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Spätmittelalter und Reformation der Uni Tübingen; Geschäftsführer des Evangelischen Bundes Württemberg
  • PD Dr. Astrid von Schlachta
    Leiterin der Mennonitischen Forschungsstelle; 1. Vorsitzende des Vereins „500 Jahre Täuferbewegung 2025 e.V.“; 2. Vorsitzende des Vereins für Freikirchenforschung; Privatdozentin an der Uni Regensburg
  • Prof. Dr. Andrea Strübind
    Professorin für Kirchengeschichte und Historische Theologie an der Uni Oldenburg; Vorsitzende der Gesellschaft für Freikirchliche Theologie und Publizistik

Tagungsbeschreibung

Rund um das Lutherjahr 2017 rückten in vielfältiger Weise die Reformation des 16. Jahrhunderts und ihre beabsichtigten und unbeabsichtigten Wirkungen in das Blickfeld einer interessierten Öffentlichkeit, der Kirchen und nicht zuletzt auch der Wissenschaft. Die Täuferbewegung jedoch, die in der Reformation ihren Ursprung hat und deren Geschichte bis in die Gegenwart reicht, stand dabei kaum im Fokus – weder in der Öffentlichkeit noch in der Wissenschaft. Die Initiative „Gewagt! 500 Jahre Täuferbewegung 1525–2025“, getragen von Kirchen der täuferischen Tradition und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, möchte demgegenüber die Täufer in Geschichte und Gegenwart aus dem Schatten der großen kirchlichen Konfessionen holen. Der äußere Anlaß ist die erste täuferische Glaubenstaufe 1525 in der Schweiz. Als religiös und gesellschaftlich nonkonformistische Minderheit wurden die Täufer zunächst vielfach verfolgt. Sie konnten gleichwohl eigene Netzwerke und kirchliche Strukturen herausbilden und sich im Fortgang der Frühen Neuzeit schließlich mehr und mehr als tolerierte Minderheit etablieren. Insofern lassen sich aus ihrer Geschichte vielfältige Anstöße für das Miteinander in einer pluralen und multireligiösen Gesellschaft sowie für die christliche Ökumene gewinnen.

In diesem Horizont – thematisch und zeitlich gewissermaßen zwischen 1517 / 2017 und 1525 / 2025 – findet am 01.-03. Oktober 2021 unter dem Titel „Die Täufer – Fremdwahrnehmung und Selbstbilder im 16.–17. Jahrhundert“ eine wissenschaftliche Tagung in Tübingen statt, die einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich sein soll. Dem ökumenischen Zugang und der inhaltlichen Ausrichtung auf Fremdwahrnehmung und Selbstbilder entsprechend, wird die Tagung in gemeinsamer Verantwortung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit mennonitischer (PD Dr. Astrid von Schlachta), baptistischer (Prof. Dr. Andrea Strübind) und evangelisch-landeskirchlicher (Dr. Jonathan Reinert) Prägung organisiert.

Das übergeordnete Ziel der Tagung ist es, die verstreute deutschsprachige Täuferforschung zur Frühen Neuzeit zu bündeln und ihr durch die Zuspitzung auf die Perspektive der Selbstbilder und der Fremdwahrnehmung neue Impulse zu verleihen. Dabei steht nicht die Frühzeit in den Regionen der Eidgenossenschaft und Mitteldeutschlands der 1520er Jahre im Fokus, die bereits gut erforscht ist. Vielmehr ist bewußt der Horizont sowohl zeitlich als auch regional weiter gespannt: Die Tagung führt durch die Zeit der Reformation und der Konfessionsbildung bis ans Ende des 17. Jahrhunderts und nimmt die europäische Ausstrahlung der Täuferbewegung und ihrer Netzwerke in den Blick.

Häufig stehen die Perspektive der Innensicht (Selbstbilder) und die Perspektive von außen (Fremdwahrnehmung) einander gegenüber. Der Tagung geht es darum, beide Perspektiven miteinander ins Gespräch zu bringen und aufeinander zu beziehen, ohne sie auf einer höheren Ebene miteinander zu verschmelzen zu suchen oder gegeneinander auszuspielen. Die wechselseitige Bezugnahme auf Selbstbilder und Fremdwahrnehmung stellt den gemeinsamen methodischen Zugriff aller Vorträge dar.

Hinter dem methodisch-reflexiven Zugang zur Geschichte der Täufer durch die differenzierte Perspektivierung steht nicht zuletzt die Situation, daß diese Perspektiven in den entsprechenden kirchlichen Konfessionen bis heute in gewisser Hinsicht mit identitätsbildend wirken. Dieser aktuelle Horizont wird durch eine abendliche Podiumsdiskussion und einen ökumenischen Gottesdienst unter Einbezug der Kirchen aufgenommen, um den institutionellen und lebensweltlichen Kontext des Tagungsinhaltes zu integrieren.

Kooperationspartner der Tagung

Universität Tübingen
Universität Oldenburg
Universität Regensburg
Gewagt! 500 Jahre Täuferbewegung 1525–2025 e.V.
Evangelischer Bund Württemberg e.V.
Mennonitischer Geschichtsverein e.V.
Verein für Freikirchenforschung e.V.

Die Tagung wird finanziell gefördert durch die Fritz Thyssen Stiftung.

Weitere Beitragende

Dr. Stephen Buckwalter, Dr. Corinna Ehlers, Dr. Christiane Gruber, Beate Hummel, Dr. Hanspeter Jecker, Prof. Dr. Volker Leppin, Dr. Urs B. Leu, Dr. Andreas Liese, Dr. Päivi Räisänen-Schröder, Prof. Dr. Martin Rothkegel, Dr. Susanne Schenk, Dr. Steffie Schmidt, Prof. Dr. Anselm Schubert, Prof. Dr. Gerd Schwerhoff, Dr. Klaas-Dieter Voß, PD Dr. Christian Witt

Tagungsformat

Die Tagung wird als Hybrid Tagung geplant, was am Ende herauskommt weiß noch niemand. Genaueres und Anmeldemöglichkeit, ist auf der Netzseite der Eberhard-Karls-Universität Tübingen zu erfahren, hier der Verweis:
https://uni uni-tuebingen.de/de/215680

 

Das geplante Programm

Freitag 01.10.2021

  • 14.15 Uhr - Einführung in die Tagung
    Jonathan Reinert / Astrid von Schlachta / Andrea Strübind

Religionsgeschichtliche Verortung und Methodische Reflexion

  • 14.30 Uhr
    Christian Witt: Selbst- und Fremdmarginalisierung - Überlegungen aus historisch-theologischer Perspektive
  • 15.00 Uhr
    Gerd Schwerhoff: Blasphemia et seditio. Die Stigmatisierung der Täufer im Kontext allge meiner Kriminalisierungsprozesse
  • 15.30 Uhr
    Volker Leppin: Vorreformatoren, Spiritualisten, Aufrührer? Die Ablehnung der Kindertaufe bei den Anhängern des Peter de Bruys († ca 1125) und deren Häretisierung
  • 16.00 Uhr
    Pause

Die Täufer als religionspolitisches

  • 16.30 Uhr
    Anselm Schubert: Das Täufermandat von 1529: Kontext und Genese
  • 17.00 Uhr
    Jonathan Reinert: Die Verwerfung der ‚Wieder täufer‘ im Augsburger Bekenntnis 1530
  • 17.30 Uhr
    Christine Gruber: Die Münsteraner Täufer im Spannungsfeld zwischen zwischen Selbst und Fremd wahrnehmung

Samstag 02.10.2021

Die Täufer im oberdeutschen Raum

  • 9.30 Uhr
    Stephen Buckwalter: Täufer in Straßburg — Fremdwahrnehmung und Selbstbilder
  • 10.00 Uhr
    Susanne Schenk: Die Reichsstadt Ulm und ihre Täuferischgesinnten. Räume und Zäsuren einer Reformationsgeschichte
  • 10.30 Uhr
    Pause
  • 11.00 Uhr
    Beate Hummel: Rottengeister, Gotteslästerer, Sektierer — Die Sicht der Esslinger Reformatoren auf die Täufer
  • 11.30 Päivi Räisänen Schröder: Lutheraner und Täufer in Württemberg Fremdwahrnehmung und Selbst bilder in den Kirchenvisitationen des 16. und 17. Jahrhunderts

Die Täufer in der Schweiz

  • 13.30 Uhr
    Corinna Ehlers: Wahrnehmung der Täufer und evangelische Konfessionsbildung um 1550: Perspektiven aus Wittenberger und Schweizer Reformation im Vergleich
  • 14.00 Uhr
    Urs B Leu: Die Täufer als Verführer und Vorbilder in der Zürcher Gesellschaft des 17. Jahrhunderts
  • 14.30 Uhr
    Hanspeter Jecker: Zwischen Kooperation und Konkurrenz. Zum Verhältnis zwischen Täufertum und Pietisten in der Schweiz (um 1700)
  • 15.00 Uhr
    Pause

Europäische Ausstrahlung der Täuferbewegung

  • 15.30 Uhr
    Klaas Dieter Voß: Zu Aspekten der Mentalitäts geschichte und politischer Kontexte bei der Entstehung des niederländischen Täufertum
  • 16.00 Uhr
    Martin Rothkegel: Das norditalienische Täufertum Inquisitorischer Popanz oder Untergrund kirche?
  • 16.30 Uhr
    Pause
  • 17.00 Uhr
    Astrid von Schlachta: Neue Perspektiven auf die Migration von Täufern
  • 17.30 Uhr
    Steffie Schmidt: Mennonitische Geschichtsschreibung als Herausforderung Täuferische Vergangenheitsdeutung in der Wahrnehmung lutherischer Gelehrter des frühen 18. Jahrhunderts

Abendprogramm

  • 20.00 Uhr
    Podiumsdiskussion Konfessionelle Selbstbilder und der Blick der anderen in der Gegenwart

    Ernst Wilhelm Gohl, Dekan in Ulm, ELKW
    Lars Heinrich, Pastor in Tübingen, BEFG
    Joel Driedger, Pastor in Karlsruhe, VdM

    Moderation: Elisabeth Hege, Dekanin inTübingen

Sonntag 03.10.2021

Baptismus und Täuferbewegung

  • 9.00 Uhr
    Andrea Strübind: Die frühen Baptisten und die Mennoniten Wahrnehmung und Begegnungen
  • 9.30 Uhr
    Andreas Liese: Wem gehört Hubmaier? Die Hubmaier Gedächtnisfeier von 1928 in Wien und ihre Akteure

10.30 Uhr: Ökumenischer Gottesdienst (Kreuzkirche)

"500 Jahre Täuferbewegung" Täufergeschichte, Wiedertäufer, Mennoniten, Hutterer. Fachtagung und Veranstaltung, Reformationsjahr, Reformation, Fremdbild

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