Eitelhans Langenmantel vom Sparren. Täufer in Augsburg

Eitelhans Langenmantel (Geburtsdatum unbekannt; † 11. oder 12. Mai 1528 in Weißenhorn)

Eitelhans Langenmantel vom Sparren.
Eitelhans Langenmantel vom Sparren, Täufer in der frühen Augsburger Täuferbewegung.

Eitelhans Langenmantel entstammte der Augsburger Patrizierlinie Langenmantel vom Sparren. Sie bildete einen eigenen Zweig der weitverzweigten Familie Langenmantel und führte den Sparren im Wappen. Sein Geburtsjahr ist nicht sicher bekannt. Die Deutsche Biographie nennt Augsburg als Geburtsort, doch fehlen verlässliche Angaben zu seiner Kindheit und Jugend.

Sein Vater trug ebenfalls den Namen Eitelhans und gehörte dem Rat der Reichsstadt Augsburg an. Seine Mutter Afra stammte aus der Familie Ehem. Im Jahr 1501 heiratete Langenmantel Catharina Wieland, die bereits 1507 starb. Aus der Ehe ging die Tochter Anna hervor. Sie heiratete 1522 den Augsburger Kaufmann Joachim Hoechstetter. Eitelhans gehörte somit zu einem gesellschaftlichen Umfeld, das durch Handel, Vermögen, Grundbesitz und die Mitwirkung an der städtischen Politik geprägt war.

Über lange Abschnitte seines Lebens ist wenig bekannt. Deutlicher fassbar wird Eitelhans Langenmantel durch seine religiösen Schriften. Mindestens drei Drucke können ihm zweifelsfrei zugeordnet werden. Sie erschienen 1526 und 1527 vermutlich in der Augsburger Druckerei Philipp Ulharts und behandeln vor allem das Abendmahl.

Die erste Schrift trägt den Titel „Diss ist ain anzayg: ainem meynem etwann vertrawten gesellen, über seyne hartte widerpart, das Sacrament und anders betreffend“. Darin erläutert Langenmantel seine Auffassung von Brot und Wein. Er versteht beide nicht als leibliche Gegenwart Christi, sondern als sichtbare Zeichen, die an dessen Leiden und Tod erinnern. Das wahre Essen und Trinken geschehe im Glauben. Vergebung und Heil seien nicht an die äußeren Zeichen gebunden.

Seine Ausführungen beschränken sich nicht auf die Abendmahlslehre. Langenmantel äußert sich auch zur Ordnung der christlichen Gemeinde. Er fordert schriftkundige und glaubwürdige Männer, die von der Gemeinde gewählt werden und das Wort Gottes verkünden. Die Feier des Abendmahls verbindet er mit einer Gemeinschaft von Glaubensgeschwistern, gegenseitiger Liebe und persönlicher Glaubensprüfung.

Im „Kurtzen Begriff von den alten und neuen Papisten“ richtet er seine Kritik sowohl gegen die römische Kirche als auch gegen die Anhängerschaft Martin Luthers. Die katholische Seite bezeichnet er als alte, die lutherische Seite als neue Papisten. Beide hielten seiner Auffassung zufolge an einer falschen körperlichen Deutung des Abendmahls fest.

Eine weitere Schrift erschien Anfang 1527 unter dem Titel „Ain kurtzer Anzayg, wie Dr. Martin Luther … etliche Schrifften … vom Sacrament [habe ausgehen lassen], die doch stracks wider ainander“. Langenmantel stellte darin verschiedene Aussagen Luthers gegenüber und wollte Widersprüche in dessen Abendmahlsverständnis nachweisen.

Die drei Drucke sind heute in digitalisierten Exemplaren zugänglich. Moderne und wissenschaftlich kommentierte Übertragungen liegen offenbar nicht vor. Eine neuere Untersuchung nennt darüber hinaus einen vierten Druck und drei handschriftlich erhaltene Texte. Zwei der Handschriften behandeln ebenfalls das Abendmahl und werden in täuferischen Sammlungen in Budapest und Bratislava überliefert. Eine weitere Schrift enthält eine Auslegung des Vaterunsers. Da Herkunft und Verfasserschaft dieser Texte noch nicht in jedem Punkt geklärt sind, sollten sie von den zweifelsfrei zugeordneten Drucken unterschieden werden.

Langenmantels Schriften zeigen keine vollständig entwickelte Theologie. Die Glaubenstaufe steht darin nicht im Mittelpunkt. Erkennbar wird eine Entwicklung: Aus der Kritik an der überlieferten Abendmahlslehre entstand ein Gemeindeverständnis, das Glauben, freiwillige Zugehörigkeit, gemeinschaftliche Feier und die Wahl geeigneter Verkündiger eng miteinander verband.

Im März 1527 nahm ihn der Augsburger Rat vorübergehend fest. Anlass boten vermutlich sowohl seine publizistischen Angriffe auf Luther als auch seine Kontakte zu Personen aus der Täuferbewegung. Nach einer Verpflichtung zu künftigem Wohlverhalten kam er wieder frei. Ungefähr zu dieser Zeit ließ er sich vermutlich durch den Wanderprediger Hans Hut taufen. Die nordamerikanische mennonitische Enzyklopädie nennt als Datum März 1527 und berichtet, die Taufe habe in Langenmantels Haus stattgefunden. Der zugrunde liegende Lexikonartikel stammt aus dem Jahr 1957 und übernimmt teilweise ältere Angaben, weshalb Einzelheiten nicht ohne weitere Prüfung übernommen werden sollten.

Langenmantels Haus soll der Gemeinde zeitweise Raum für Zusammenkünfte geboten haben. Seine Herkunft und seine finanziellen Möglichkeiten dürften ihm eine besondere Stellung verschafft haben. Mit seinem Namen wird zudem eine Armenkasse für bedürftige Glaubensgeschwister verbunden. Daraus folgt nicht, dass er die theologischen Grundsätze der Bewegung entscheidend geprägt hätte. Seine Bedeutung lag eher in seiner gesellschaftlichen Stellung, seinen Verbindungen, seiner Unterstützung der Gemeinde und seinem öffentlichen Eintreten für religiöse Überzeugungen. Die ältere Behauptung, er habe zu den wichtigsten Täuferführern gehört, geht vermutlich zu weit.

Eine anonyme Schrift mit dem Titel „Ein göttlich und gründlich Offenbarung von den wahrhaftigen Wiedertäufern“ wurde ihm früher zugeschrieben. Diese Zuordnung gilt inzwischen nicht mehr als überzeugend. In der neueren Literatur wird Jakob Dachser für den wahrscheinlicheren Verfasser gehalten. Das Werk sollte daher nicht in ein Verzeichnis der gesicherten Schriften Langenmantels aufgenommen werden.

Die mennonitische Literatur nennt darüber hinaus zwei handschriftlich überlieferte Abendmahlstexte: „Von Nachtmahl des Herren durch den getreuen Zeugen Gottes Hannss Langenmantel“ und „Ein ander prüff: vom Sakrament auch durch Hanns Langenmantel gemacht“. Abschriften sollen sich in täuferischen Handschriftensammlungen in Budapest und Bratislava erhalten haben. Ferner wird ihm in einer späteren hutterischen Überlieferung eine Auslegung des Vaterunsers zugeschrieben. Bei diesen Texten wären Herkunft, Datierung und Verfasserschaft genauer zu untersuchen. Gerade die handschriftliche Weitergabe kann zeigen, wie Langenmantels Gedanken in täuferischen Gemeinschaften bewahrt und später gelesen wurden.

Im September 1527 verschärfte der Augsburger Rat sein Vorgehen gegen die Täufergemeinde. Langenmantel wurde erneut festgenommen und verhört. Geistliche versuchten, ihn von seinen Überzeugungen abzubringen. Die Berichte über den Ausgang dieser Gespräche widersprechen einander. Einige Quellen behaupten, er habe sich von der Täuferbewegung losgesagt und die Kindertaufe wieder anerkannt. Sein späteres Verhalten und die erneute Verfolgung sprechen gegen eine dauerhafte Abkehr. Nach seiner Entlassung musste er Augsburg verlassen.

Zunächst fand Langenmantel in Göggingen Unterkunft. Danach hielt er sich in Langenneufnach und an weiteren Orten westlich von Augsburg auf. Schließlich zog er sich nach Leitershofen zurück, wo er über Grundbesitz verfügte. Das dortige Schlösschen bot keinen dauerhaften Schutz. Der Schwäbische Bund verfolgte Mitglieder der Täuferbewegung inzwischen auch außerhalb der Reichsstadt.

Johann Schneid, Prediger an der Augsburger Kirche Heilig Kreuz, richtete am 3. Januar 1528 ein Trostschreiben an Langenmantel. Der Brief zeigt, dass Schneid ihn trotz seiner Verfolgung als Glaubensbruder betrachtete und ihm für die bevorstehenden Bedrängnisse Mut zusprach.

Am 24. April 1528 wurde Langenmantel in Leitershofen festgenommen. Gemeinsam mit ihm gerieten Bedienstete aus seinem Haushalt in die Gewalt der Truppen. Die Angaben über ihre Zahl und ihre genaue Beziehung zu ihm unterscheiden sich je nach Überlieferung. Anschließend brachte man die Gefangenen nach Weißenhorn. Dort wurde Langenmantel mehrfach verhört und gefoltert.

Auch über einen möglichen Widerruf kurz vor seinem Tod liegen widersprüchliche Nachrichten vor. Ein katholischer Bericht behauptet, er habe zuletzt die Kindertaufe anerkannt. Andere Überlieferungen stellen seine Standhaftigkeit heraus. Selbst wenn eine entsprechende Erklärung abgegeben wurde, bleibt offen, unter welchem körperlichen und seelischen Druck sie zustande kam. Eine eindeutige Rekonstruktion ist auf Grundlage der bisher bekannten Berichte kaum möglich.

Langenmantel wurde im Mai 1528 in Weißenhorn enthauptet. Beim genauen Datum stimmen die Quellen nicht überein. Häufig wird der 11. Mai genannt, die Deutsche Biographie gibt den 12. Mai an. Wegen eines schweren Beinleidens oder der Folgen der Haft konnte er Berichten zufolge nicht mehr gehen. Die Hinrichtung soll deshalb auf einem Stuhl sitzend vollzogen worden sein.

Eitelhans Langenmantel war weder der bedeutendste Theologe noch der wichtigste Organisator der frühen Täuferbewegung. Dennoch besitzt seine Lebensgeschichte eine eigene historische Aussagekraft. Ein Angehöriger einer angesehenen Augsburger Patrizierlinie stellte sich offen gegen verbreitete kirchliche Lehren, veröffentlichte eigene Schriften und schloss sich einer verfolgten religiösen Gemeinschaft an. Weder seine Herkunft noch seine verwandtschaftlichen Beziehungen bewahrten ihn schließlich vor Folter und Hinrichtung.

Am Leiterhofer Schlösschen erinnert eine Gedenktafel an seinen Tod. Sie hält die Erinnerung an einen Menschen wach, dessen Lebensweg nur bruchstückhaft überliefert ist. Seine erhaltenen Drucke und die ihm zugeschriebenen Handschriften könnten künftig weitere Aufschlüsse geben. Dafür wären vor allem eine vollständige Erfassung der überlieferten Exemplare, die Prüfung der handschriftlichen Texte und eine zuverlässige Übertragung seiner Schriften in heutige Schrift notwendig.