Unser Friedenszeugnis – Jesus Christus macht den Kriegen ein Ende

Unser Friedenszeugnis – Jesus Christus macht den Kriegen ein Ende
Unser Friedenszeugnis – Jesus Christus macht den Kriegen ein Ende, des Verbands deutscher Mennonitengemeinden (VdM)

Das Dokument „Unser Friedenszeugnis – Jesus Christus macht den Kriegen ein Ende“ des Verbands deutscher Mennonitengemeinden (VdM) wird im Vorwort als „grundsätzliche Erklärung des Verbandes zum Thema Frieden“ beschrieben. Damit ist sein Charakter klar bestimmt. Es handelt sich nicht um eine kurzfristige Stellungnahme zu einer konkreten politischen Lage, sondern um eine theologisch begründete Orientierung zum Friedensverständnis. Der ursprüngliche Text wurde 1987 verabschiedet und 2011 um Kommentare, Praxisbeispiele, Literaturhinweise und Arbeitshilfen ergänzt.
Obwohl das Friedenszeugnis als grundsätzliche Erklärung des Verbands zum Thema Frieden verstanden wird, ist es von außen betrachtet zugleich vor allem als ein innerkirchliches Arbeitsdokument. Es richtet sich vor allem an Gemeinden und interessierte Lesende innerhalb des täuferisch-mennonitischen Kontextes. Der Text will nicht in erster Linie auf eine aktuelle politische Lage reagieren, sondern das Friedensverständnis des Verbandes theologisch ordnen und für die Praxis in den Gemeinden zugänglich machen.
Der Aufbau des Dokuments folgt zehn Leitsätzen, die von der Nachfolge Jesu her formuliert sind. Sie lauten: Jesus Christus ist der Herr; Jesus Christus ist unser Friede; Jesus Christus ruft uns in seine Nachfolge; Jesus Christus ist das Haupt seiner Gemeinde; Jesus Christus vergibt uns; Jesus Christus sendet uns in die Welt; Jesus Christus steht über dem Staat; Jesus Christus befreit uns zu Gerechtigkeit und Frieden; Jesus Christus macht den Kriegen ein Ende; in Jesus Christus wird die Schöpfung erneuert. Diese Leitsätze zeigen deutlich, dass das Friedenszeugnis nicht zuerst von politischen Programmen, sondern vom Bekenntnis zu Jesus Christus her argumentiert.
Auffällig ist dabei die konsequent theologische Sprach. Fried wird nicht nur als Abwesenheit von Krieg verstanden, sondern als Ausdruck von Versöhnung, Nachfolge, Gerechtigkeit und erneuerter Gemeinschaft. Das Dokument entfaltet Frieden als eine Haltung und Praxis, die im Glauben verankert ist und sich im persönlichen Leben, in der Gemeinde und im gesellschaftlichen Handeln zeigen soll. Aus dieser Perspektive gehören Gewaltfreiheit, Feindesliebe, Versöhnungsarbeit, kritische Distanz zu staatlicher Gewalt und Verantwortung für die Schöpfung eng zusammen.
Die Fassung von 2011 macht deutlich, dass der ursprüngliche Text von 1987 nicht ersetzt, sondern kommentiert und erweitert wurde. Dadurch erhält das Dokument einen zweischichtigen Charakter: Der Kerntext bleibt knapp und bekenntnishaft, während die Kommentare ausführlicher erklären, einordnen und Beispiele für die Praxis nennen. Aus heutiger Sicht kann das hilfreich sein, da die theologischen Aussagen nicht isoliert stehenbleiben. Zugleich erschwert diese Ergänzung den Zugang zum Dokument. Es handelt sich nicht um einen leicht lesbaren Fließtext, sondern um ein Materialheft, das abschnittweise gelesen, diskutiert und auf die eigene Gemeindesituation bezogen werden will.
Auch die Entstehungsweise ist für das Verständnis wichtig. Das Friedenszeugnis wurde im Konsens beschlossen und steht damit selbst für eine bestimmte kirchliche Kultur der Urteilsbildung. Der Text erhebt nicht den Anspruch, abschließende Antworten auf alle friedensethischen Fragen zu geben. Vielmehr lädt er dazu ein, im Gespräch der Gemeinden weiter an Fragen von Frieden, Gewaltfreiheit, Gerechtigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung zu arbeiten.
Einige Teile des Dokuments zeigen deutlich ihren zeitlichen Entstehungskontext. Der ursprüngliche Text entstand 1987, also noch vor dem Ende des Kalten Krieges. Die ergänzenden Kommentare und Links stammen aus dem Jahr 2011, weshalb die angegebenen Internetadressen nur den damaligen Stand wiedergeben und heute möglicherweise veraltet oder nicht mehr erreichbar sind. Diese zeitliche Distanz sollte bei der Nutzung des Dokuments berücksichtigt werden.
Trotzdem wirkt der Grundton des Friedenszeugnisses nicht überholt. Die zentralen Themen – Gewaltfreiheit, Versöhnung, Verantwortung gegenüber Staat und Gesellschaft, Umgang mit Feindschaft, Gerechtigkeit und Schöpfungsverantwortung – sind nach wie vor aktuell. Wer das Dokument heute liest, begegnet daher einem Text, der in seiner Form teilweise aus einer früheren Phase kirchlicher Arbeit stammt, in seinen Grundfragen aber nach wie vor relevant ist.

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