Geschichte der Mennoniten-Gemeinde Augsburg in Bayern

Mennoniten-Gemeinde Augsburg

Eine unmittelbare örtliche oder personelle Kontinuität zwischen den Täuferinnen und Täufern des 16. Jahrhunderts in Augsburg und der heutigen Mennoniten-Gemeinde Augsburg besteht nicht. Durch Verfolgung und gewaltsame Unterdrückung im bairischen Raum wurden auch die damaligen täuferischen Gruppen und Netzwerke in der freien Reichsstadt Augsburg und ihrer Umgebung zerschlagen. Die letzten Spuren täuferischen Lebens rund um Augsburg verlieren sich im Jahr 1573. Die Mennoniten, die sich mehr als zwei Jahrhunderte später in der Region niederließen, standen zwar in der überregionalen Glaubens- und Traditionsgeschichte der Täuferbewegung, knüpften jedoch nicht an eine fortbestehende Augsburger Gemeinschaft an.

Nach 1800 siedelten sich amische und mennonitische Familien in Bayern an. Die amischen Familien kamen überwiegend aus dem Elsaß und aus der linksrheinischen Pfalz. Die mennonitischen Familien stammten vor allem aus der Pfalz, daneben auch aus dem Elsaß, aus Lothringen und Baden. Ihre Wurzeln reichen zurück zu den Täuferbewegungen der Reformationszeit. Die Gemeinschaften und ihre Mitglieder lebten über weite Gebiete verstreut. Aus ihnen entwickelten sich um die Jahrhundertwende und besonders zu Beginn des 20. Jahrhunderts die heutigen Mennonitengemeinden im südlichen Bayern.

Auch im Raum Augsburg bestand im 19. Jahrhundert eine amische Gemeinde. Die heutige Mennoniten-Gemeinde Augsburg ging jedoch nicht unmittelbar aus dieser älteren Gemeinde hervor. Für ihre Entstehung war vielmehr die Entwicklung im Raum Ingolstadt, Neuburg und Donauwörth maßgeblich.

Im Raum Ingolstadt und Neuburg bestanden seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert zwei Gemeinden nebeneinander. Die ältere amische Gemeinde Ingolstadt-Neuburg umfaßte ein weitläufiges Gebiet, das donauaufwärts weit über den Raum Donauwörth hinaus reichte. Während die amische Gemeinde immer kleiner wurde und im Jahr 1912 schließlich erlosch beziehungsweise sich mit den Mennoniten zusammenschloss, bestand die jüngere Mennonitengemeinde Ingolstadt fort.

100 Jahre Mennoniten-Gemeinde Augsburg.
100 Jahre Mennoniten-Gemeinde Augsburg, 1912 – 2012.

Mennonitinnen und Mennoniten, die weit westlich von Ingolstadt im Raum Donauwörth und noch westlicher wohnten und zur Mennonitengemeinde Ingolstadt hielten, bildeten im Jahr 1912 aufgrund der großen Entfernungen und der wachsenden Zahl von Gemeindegliedern - auch durch den Zuzug mennonitischer Familien aus Franken und Baden - eine eigene Diasporagemeinde mit Sitz in Donauwörth. Nach damaligen Gemeindeverständnis konnte nur dann eine eigenständige Gemeinde entstehen, wenn ihr bereits ein Ältester angehörte. Diese Voraussetzung war erfüllt. Unter den Mitgliedern, die die neue Gemeinde bildeten, befand sich ein Ältester aus der Mennonitengemeinde Ingolstadt. Mit der Gründung der Mennoniten-Gemeinde Donauwörth im Jahr 1912, die ihren Sitz im Jahr 1926 nach Augsburg verlegte, beginnt die Geschichte der heutigen Mennoniten- Gemeinde Augsburg als eigenständige Gemeinde.

Für die noch junge Gemeinde stellte die Flüchtlingsarbeit im Lager Lechfeld, das südlich von Augsburg und nördlich von Klosterlechfeld liegt, eine besondere Herausforderung dar. Zwischen 1921 und 1926 waren dort zahlreiche Geflüchtete aus der Ukraine und Rußland untergebracht. Neben Mennoniten befanden sich unter ihnen auch Baptisten und Lutheraner. Die Gemeinde war intensiv in die Betreuung der Geflüchteten eingebunden, trug jedoch nicht die leitende Verantwortung. Diese lag bei der Mennonitischen Flüchtlingsfürsorge (MFF), die noch in dieser Zeit in Deutsche Mennonitische Hilfe (DMH) umbenannt wurde, sowie beim Mennonitischen Hilfswerk Christenpflicht (MHC), das heute den Namen Mennonitisches Hilfswerk (MH) trägt. Einzelne Mitglieder der Gemeinde übernahmen innerhalb dieser Organisationen gleichwohl leitende Aufgaben.

Wie oben erwähnt, verlegte die Gemeinde im Jahr 2026 ihren Sitz von Donauwörth nach Augsburg und nannte sich fortan Mennoniten-Gemeinde Augsburg. Augsburg erwies sich als geeigneter Knotenpunkt für die weit verzweigte Gemeinde, deren Mitglieder westlich bis Buchloe und südlich bis in die Landkreise Schongau und Weilheim im bayerischen Oberland lebten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt die Augsburger Gemeinde Zuwachs durch Vertriebene und Geflüchtete aus Ost- und Westpreußen sowie aus Rußland. Ab 1949 bestand westnordwestlich von Augsburg eine kleine Zweiggemeinde der Mennoniten-Gemeinde Augsburg. Nach dem Tod und Wegzug von Mitgliedern wurde sie im Jahr 1972 wieder aufgelöst. In den 1970er Jahren schlossen sich der Gemeinde auch Aussiedlerinnen und Aussiedler aus der Sowjetunion an. Zu Beginn der 1990er Jahre kamen aus Glaubensgründen Vertriebene aus der Schweiz hinzu. Die unterschiedlichen Herkunftsgeschichten bereicherten die Gemeinde, zugleich war diese Zeit von einer gewissen personellen Fluktuation geprägt, da viele der neu Hinzugekommenen nur vorübergehend in der Region blieben und später weiterzogen.

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens als eigenständige Gemeinschaft im Jahr 2012 erschien auf der Website der Mennoniten-Gemeinde Augsburg der Artikel „100 Jahre als Gemeinde gemeinsam unterwegs - von Gottes Liebe bewegt“. Dieser schloss mit den Worten: „werde Teil davon“.
Die Mennoniten-Gemeinde Augsburg ist eine vielfältige Gemeinschaft, in der Menschen mit unterschiedlichen Biografien, Erfahrungen und kulturellen Prägungen zusammenkommen. Zum Zeitpunkt der Abfassung gehört ein großer Teil der Gemeindemitglieder der älteren Generation an.

Quelle: Webseite der Mennoniten-Gemeinde Augsburg (www.mennonitengemeinde.de) 2014: Geschichte der Mennonitengemeinde Augsburg. Zugriff am 31. Dezember 2025.

Eine Aktualisierung des Artikels von externer Seite ist in Planung. Sollten Sie Korrekturen oder Ergänzungen, alte Dokumente, zur Geschichte der Mennonitengemeinde Augsburg haben, so wenden Sie sich bitte an diese: geschichte-abteilung@mennonitengemeinde.de

 

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