Die Augsburger Täufersynode von 1527

Eine kurze quellenkritische Studie zu Erinnerung, Ambivalenz und ausbleibender Traditionsbildung

Die Augsburger Täufersynode von 1527 gehört zu jenen Ereignissen der frühen Täuferbewegung, deren historische Bedeutung in einem auffälligen Missverhältnis zu ihrer späteren Wirkung steht. Das Treffen wird häufig als „Märtyrersynode“ bezeichnet. Diese Bezeichnung ist jedoch keine neutrale Beschreibung, da sie die Zusammenkunft vom späteren Schicksal vieler Beteiligter her deutet — Verhaftung, Verfolgung, Widerruf, Hinrichtung — und zunächst wenig über den lehrmäßigen Gehalt des Treffens aussagt.

Hier liegt das Grundproblem dieser Studie. Die Augsburger Zusammenkunft war offenbar kein nebensächliches Treffen. Vom 20. bis 24. August 1527 kamen in Augsburg zahlreiche Täufer aus unterschiedlichen Regionen und Strömungen der frühen Bewegung zusammen. Einzelne Darstellungen sprechen von rund sechzig Beteiligten, wobei die genaue Zahl aufgrund der lückenhaften Überlieferung nicht sicher zu bestimmen ist. Genannt werden unter anderem Hans Hut, Jakob Groß, Jakob Dachser, Sigmund Salminger, Leonhard Schiemer, Hans Schlaffer und Hans Leupold. Hans Denck war wahrscheinlich ebenfalls anwesend, spielte nach neuerer Einschätzung aber nicht jene herausragende Rolle, die ihm früher teils zugeschrieben wurde.

Es ist nicht eindeutig erkennbar, ob es sich um eine Synode im förmlich-institutionellen Sinn handelte. Die Bezeichnung wird hier als eingebürgerter Forschungsbegriff verwendet. Damit ist ein überregionales Treffen mit synodalem Charakter gemeint, nicht notwendigerweise eine förmlich verfasste Versammlung entsandter Gemeindevertretungen. Wie die Einladung verbreitet wurde und in welchem Maß die Beteiligten ihre jeweiligen Gruppen verbindlich vertraten, bleibt unklar. Die spätere Verfolgung vieler Beteiligter zeigt jedoch, dass die Obrigkeit das Treffen als gefährlich einschätzte. Aus Augsburg ging jedoch kein dauerhaft wirksamer Lehrtext, keine bekannte Ordnung und kein Bekenntnis hervor, das innerhalb späterer täuferisch-mennonitischer Traditionen eine ähnliche Rolle gespielt hätte wie die Schleitheimer Artikel desselben Jahres.

Dass Augsburg als Ort täuferischen Lebens dennoch nicht sofort verschwand, zeigt die weitere Entwicklung. Nach den Verhaftungen, Ausweisungen und Fluchtbewegungen ab 1528 war die frühe Augsburger Gemeinde als sichtbarer Zusammenhang weitgehend zerschlagen. Gleichwohl rissen die täuferischen Verbindungen nicht ab. Pilgram Marbeck (Marpeck), der von 1544 bis zu seinem Tod 1556 in der Stadt lebte, prägte dort ein verborgenes täuferisches Gemeindeleben. Zu seinem Umfeld gehörte auch Helena von Freyberg, die einzige namentlich bekannte Frau in diesem Zusammenhang. Ihre Spur setzt erst nach der Synode ein: Sie kam wohl erst nach 1532 in die Stadt, wurde dort 1535 verhaftet und ausgewiesen und konnte nach 1539 zurückkehren. Marbeck und Helena von Freyberg stehen damit für ein späteres Augsburg, das als Raum täuferischer Vernetzung und theologischer Arbeit fortbestand, während die Synode von 1527 selbst gerade nicht zum normativen Ursprung wurde. Nach 1573 verlieren sich die täuferischen Spuren in Augsburg schließlich ganz.

Diese Verschiebung vom Lehrereignis zum Märtyrerereignis bildet den Ausgangspunkt der Untersuchung. Die Studie fragt daher nicht nach einem verlorenen „Programm Augsburgs“, als habe es eine nur zufällig nicht erhaltene Beschlussfassung gegeben. Sie fragt umgekehrt: Welche Spuren lassen erkennen, dass in Augsburg zentrale Spannungen der frühen Täuferbewegung sichtbar wurden, und warum verdichteten sich diese Spuren später kaum zu einer lehrmäßigen Tradition?

Am schwersten wiegt das Fehlen eigener Synodalakten. Für Augsburg ist keine Beschlussschrift, kein Protokoll, keine verbindliche Ordnung und keine gesicherte Selbstbezeichnung der Versammlung überliefert. Damit unterscheidet sich Augsburg grundlegend von Schleitheim, wo die Artikel selbst eine spätere Traditionsbildung ermöglichten. Für Augsburg muss dagegen aus verstreuten Hinweisen rekonstruiert werden, wer teilnahm, welche Fragen verhandelt wurden und welche Bedeutung die Zusammenkunft für die beteiligten Gruppen hatte.

Diese Rekonstruktion stützt sich vor allem auf indirekte Quellen wie obrigkeitliche Akten, Verhöre, spätere Berichte, täuferische Erinnerungstexte und moderne Forschungsliteratur. Jede dieser Quellengruppen ist mit eigenen Problemen verbunden. Verhöre können wichtige Einzelheiten enthalten, entstanden aber unter Druck, in Strafverfahren und häufig im Horizont obrigkeitlicher Gefahrenabwehr. Spätere Märtyrerüberlieferungen bewahren Namen und Schicksale, können aber innere Spannungen glätten oder das Ereignis vom Tod der Beteiligten her deuten. Moderne Forschung wiederum ist auf diese problematische Überlieferung angewiesen und muss deren Lücken und Verzerrungen mitbedenken.

Die schlechte Quellenlage ist daher nicht nur ein technisches Problem. Sie gehört zum Gegenstand selbst. Gerade weil Augsburg keinen eigenen Text hinterließ, wurde das Treffen später nicht über eine Lehre, sondern über das Schicksal seiner Beteiligten erinnerbar. Damit ist die Quellenlage bereits Teil der Antwort auf die Frage, warum Augsburg keine ähnliche Wirkung entfaltete wie Schleitheim.

Auch der Begriff „täuferisch“ bedarf der Klärung. Im Jahr 1527 war die Täuferbewegung keine einheitliche Konfession mit festem Lehrbestand, sondern eine junge, vielgestaltige Bewegung. Sie umfasste unterschiedliche Gruppen, lokale Gemeinden, wandernde Prediger, spiritualistische Einflüsse, apokalyptische Erwartungen und gemeindlich-friedensethische Ordnungsversuche. Wer rückblickend von „täuferisch“ spricht, fasst daher Verschiedenes zusammen, das von den Beteiligten nicht notwendigerweise schon als geschlossene gemeinsame Identität verstanden wurde. In dieser Studie bezeichnet der Begriff dennoch keine fertige Konfession, sondern eine rückblickend erkennbare Bewegung, die sich durch Bekenntnistaufe, Gemeindebildung und Kritik an der Verbindung von Kirche und Obrigkeit auszeichnete. Gerade weil diese Linien im Jahr 1527 noch nicht einheitlich geordnet waren, kann Augsburg als Konfliktpunkt sichtbar werden.

Im Mittelpunkt der Augsburger Spannungen steht Hans Hut. Er zählt zu den einflussreichen Gestalten der süddeutschen und österreichischen Täuferbewegung, und seine Verkündigung war durch eine starke Endzeiterwartung geprägt. Die Nähe zum Erbe Thomas Müntzers, die Erwartung eines nahen göttlichen Gerichts und die Dringlichkeit missionarischer Sammlung verliehen seiner Bewegung eine besondere Dynamik. Hut war kein einfacher Gemeindelehrer, sondern ein endzeitlicher Missionar. Die Sammlung der Gläubigen stand bei ihm unter dem Druck der erwarteten Wende der Geschichte. Eine spiritualistisch-mystische Tönung kam hinzu, doch das eigentliche Gepräge gab die Apokalyptik.

Diese Prägung war für spätere täuferische Selbstdeutungen schwer anschlussfähig. Das ist für die Leitfrage der Studie von entscheidender Bedeutung. Huts Apokalyptik war nicht einfach mit bewaffneter Aufstandsbereitschaft gleichzusetzen. Dennoch trug sie eine politische Brisanz, die kaum zu übersehen war. Wo das nahe Gericht Gottes über die Gottlosen, die Obrigkeit und die bestehende Ordnung erwartet wurde, berührte religiöse Hoffnung unmittelbar die politische Ordnung. In diesem Sinn war Huts Richtung nicht nur apokalyptisch, sondern auch obrigkeitlich als gefährlich deutbar.

Hinzu kommt ein schlichtes, aber gewichtiges Problem: Eine an die nahe Wende gebundene Erwartung, die so nicht eintrat, bot späteren Generationen keine tragfähige Grundlage. Eine Bewegung, die sich auf Dauer einrichten und ordnen musste, konnte an einer derart zugespitzten Naherwartung kaum anknüpfen. Damit war Huts Linie, die in Augsburg die prägende Stimme war, nur begrenzt übernehmbar: Zu gefährlich in der äußeren Wahrnehmung, zu sehr an einen ausgebliebenen Zeitpunkt gebunden und zu wenig auf eine bleibende Gemeindeordnung hin angelegt.

Im Gegensatz zu Hut steht Jakob Groß für eine andere Linie, die mit der schweizerisch beziehungsweise schleitheimerisch geprägten Richtung verbunden wird. Sie betonte Gemeindebildung und Eidesverweigerung sowie die Absonderung der Gemeinde vom Gewaltamt der Obrigkeit und vom Gebrauch des Schwertes. Groß steht damit für jene Grundsätze, die später innerhalb vieler täuferischer Traditionen deutlich anschlussfähiger wurden als Huts apokalyptische Zuspitzung. Dabei sollte man Groß nicht vorschnell als Pazifist im späteren Sinn lesen, denn auch er ist nicht zu modernisieren. Wichtiger ist, dass er in Augsburg eine Richtung vertrat, die das Verhältnis zu Eid, Schwert und Obrigkeit anders bestimmte als Hut.

In dieser Differenz wird sichtbar, dass die Synode nicht nur organisatorische Fragen berührte. Es ging auch um Grundfragen täuferischer Selbstordnung: nicht nur um Mission, sondern auch um das Verhältnis der neuen Gemeinde zu weltlicher Gewalt und politischer Herrschaft.

Als dritte Größe ist die lokale Augsburger Gemeinde zu berücksichtigen. Hier kommt Hans Denck ins Spiel, allerdings nicht als tragende Hauptfigur der Synode. Denck wirkte bereits 1526 in Augsburg, prägte die dortige Täufergemeinde und taufte möglicherweise Hans Hut. Seine Teilnahme an der Zusammenkunft gilt als wahrscheinlich, ist aber nicht mit derselben Sicherheit zu fassen wie seine frühere prägende Rolle. Diese dritte Linie ist daher besser als lokal-augsburgische Gemeindesituation zu beschreiben, die durch Dencks frühere Wirksamkeit spiritualistisch mitgeprägt war. Sie trat 1527 vor allem über Jakob Dachser und Sigmund Salminger hervor. Beide gehörten zu den Augsburger Täuferkreisen. Dies zeigt, dass Augsburg nicht nur Schauplatz eines Konflikts zwischen überregionalen Richtungen war, sondern auch ein eigenständiges, vielstimmiges Gemeindeleben besaß.

Für die spätere Erinnerung war diese Lage ungünstig. Ein traditionsbildendes Ereignis braucht keine völlige Einheit, aber es braucht eine Form, in der sich spätere Gruppen sich wiedererkennen können: einen Text, eine Ordnung, eine klare Entscheidung oder eine vorbildliche Gestalt. Augsburg bot keines dieser Elemente in dauerhaft greifbarer Form. Die bekannten Personen standen nicht für eine gemeinsame, später leicht zitierbare Lehre, sondern für eine konfliktreiche Übergangssituation — und mit Hut für eine Stimme, deren Dominanz die Anschlussfähigkeit des Ganzen erschwerte.

Die fehlende Traditionsbildung der Augsburger Täufersynode lässt sich nicht monokausal erklären. Sie ist das Ergebnis des Zusammenwirkens mehrerer Faktoren: Verfolgung, fehlender Schriftform, innerer Ambivalenz und der besonderen Prägung durch Huts Apokalyptik. Keine dieser Erklärungen genügt für sich allein. Erst ihr Zusammenspiel macht verständlich, warum Augsburg im Jahr 1527 historisch bedeutsam war, aber kaum als lehrmäßige Bezugsgröße wirksam wurde.

Zunächst liegt die Erklärung im äußeren Druck. Viele Beteiligte gerieten bald nach dem Treffen in Verfolgung; einige wurden verhaftet, andere hingerichtet, vertrieben oder zum Widerruf gedrängt. Unter solchen Bedingungen konnte kaum eine stabile eigene Überlieferung entstehen. Wer hätte Beschlüsse bewahren, abschreiben, verbreiten oder auslegen sollen, wenn zentrale Personen starben, in Haft gerieten oder ihre Überzeugungen widerriefen? Die Verfolgung wirkte daher nicht nur gegen Personen, sondern auch gegen Erinnerung. Aus geschichtlicher Perspektive ist die gewaltsame Zerschlagung früher täuferischer Netzwerke der schwerwiegendste äußere Grund dafür, dass aus der Augsburger Synode keine Tradition erwuchs.

Doch äußerer Druck und Quellenverlust erklären die Sache nicht vollständig. Hier ist genau zu unterscheiden: Quellenverlust bedeutet, dass ein vorhandener Text verloren ging. Das eigentliche Problem Augsburgs liegt aber tiefer. Es ist nicht erkennbar, dass ein konsensfähiger Text überhaupt zustande kam. In Augsburg trafen verschiedene Richtungen aufeinander, deren Verhältnis zueinander nicht geklärt war und für die keine anerkannte Schiedsinstanz bestand: die apokalyptisch geprägte Mission Hans Huts, die stärker gemeindlich-friedensethische Linie Jakob Groß’ und die lokal-augsburgische Gemeinde um Dachser und Salminger, spiritualistisch mitgeprägt durch Dencks Vorgeschichte.

Die Fragen, die später für täuferische Identität zentral wurden — Eid, Schwert, Obrigkeit, Gemeindezucht, Taufe und Nachfolge —, wurden in Augsburg nicht in einer später eindeutig nutzbaren Form entschieden. Die innere Ambivalenz ist somit kein bloßer Nebeneffekt der schlechten Überlieferung, sondern ein eigenständiger Grund. Selbst eine bessere Quellenlage hätte vermutlich keinen gemeinsamen Lehrtext zutage gefördert, weil ein solcher 1527 in Augsburg kaum erreichbar war.

Innerhalb dieser Ambivalenz kommt der Prägung durch Hut besonderes Gewicht zu. Seine apokalyptische Naherwartung war nicht eine beliebige Position unter mehreren, sondern die dominierende Stimme des Treffens — und zugleich diejenige, die sich einer späteren Tradition am stärksten entzog. Eine endzeitlich geschärfte Missionsbewegung, deren Gerichtserwartung politisch brisant deutbar war und deren erwartete Wende ausblieb, ließ sich nur schwer mit jenen Selbstdeutungen verbinden, die auf Gemeindeordnung, Eidesverweigerung, Schwertverzicht und leidensbereite Nachfolge ausgerichtet waren. So wirkte Huts Apokalyptik als gewichtiger Grund neben Verfolgung und fehlender Schriftform: Was in Augsburg am stärksten zu hören war, war für die Nachwelt am wenigsten brauchbar.

Die spätere täuferische Erinnerung hatte daher wenig Anlass, Augsburg als normative Quelle hochzuhalten. Ein Ereignis lebt im Gedächtnis einer Bewegung fort, wenn es Orientierung bietet — durch einen Text, eine Entscheidung, eine vorbildliche Person oder eine wiederholbare Ordnung. Augsburg bot vor allem ein anderes Gedächtnismotiv: das Leiden der Beteiligten. Die Versammlung wurde erinnerbar, weil viele ihrer Teilnehmenden verfolgt wurden und nicht weil sie eine verbindliche Lehrform hinterließ.

Ein Vergleich mit Schleitheim macht den Unterschied sichtbar, ohne Schleitheim zu idealisieren. Auch die Schleitheimer Artikel waren eine Krisenreaktion. Ihre Strenge in Bann und Absonderung ist ohne Verfolgung und Bedrohung kaum angemessen zu verstehen. Dennoch besaßen sie eine feste Form und fixierten eine abgrenzbare Position. Sie konnten abgeschrieben, diskutiert, abgelehnt, aufgenommen und weitergegeben werden — und gerade das machte sie traditionsfähig. Augsburg dagegen blieb ein Ereignis, dessen Inhalte vor allem indirekt erschlossen werden müssen.

Diese Unterscheidung schützt vor zwei Fehlschlüssen. Der erste bestünde darin, aus der schlechten Überlieferung auf geringe Bedeutung zu schließen; die Synode war wichtig genug, um führende Personen zusammenzuführen und obrigkeitliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Der zweite bestünde darin, aus dem späteren Märtyrergedenken auf eine klare gemeinsame Lehre zu schließen. Gerade das Martyrium konnte verdecken, dass das Treffen selbst spannungsreich und nur begrenzt traditionsfähig war.

Die Augsburger Täufersynode von 1527 wurde nicht zu einer lehrmäßigen Bezugsgröße späterer täuferischer Traditionen. Zwar war sie kein unbedeutendes Ereignis, sie gewann jedoch keine tragfähige normative Form. Gerade darin liegt ihre historische Eigenart.

Mehrere Gründe wirkten zusammen. Die Verfolgung vieler Beteiligter zerstörte personelle und organisatorische Kontinuitäten. Das Fehlen eigener Synodalakten verhinderte eine stabile Textüberlieferung. Zugleich fehlte offenbar ein Konsens, der in eine gemeinsame Ordnung oder ein gemeinsames Bekenntnis hätte überführt werden können. Besonders schwer wog die Dominanz Hans Huts: Seine apokalyptische Naherwartung prägte das Treffen, war aber für spätere täuferische Selbstdeutungen nicht anschlussfähig.

Der Vergleich mit Schleitheim zeigt den Unterschied. Schleitheim war ebenfalls eine Krisenordnung und keineswegs Ausdruck einer spannungsfreien frühen Täuferbewegung. Doch Schleitheim gewann eine feste Textgestalt, die spätere Aufnahme, Kritik und Traditionsbildung ermöglichte. Augsburg dagegen blieb ein Ereignis ohne vergleichbare normative Gestalt. Es wurde nicht als Bekenntnis erinnerbar, sondern als Leidensgeschichte.

Die spätere Bezeichnung „Märtyrersynode” ist daher doppeldeutig. Sie bewahrt die Erinnerung an das reale Leiden vieler Beteiligter, verdeckt aber zugleich, dass das Treffen selbst keine klare Lehrtradition begründete. Das Martyrium machte Augsburg erinnerbar, aber nicht lehrmäßig wirksam. So bleibt Augsburg ein früher Knotenpunkt der Täuferbewegung: ein Ort, an dem ihre Spannungen sichtbar wurden, und ein Ereignis, das gerade deshalb kein Ursprungstext werden konnte.

  • Mennonite Encyclopedia Online (GAMEO).
  • Augsburg (Freistaat Bayern, Germany), in: Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online (GAMEO).
  • Denck, Hans (ca. 1500–1527), in: Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online (GAMEO).
  • Hut, Hans (d. 1527), in: Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online (GAMEO).
  • Marpeck, Pilgram (d. 1556), in: Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online (GAMEO).
  • Martin Rothkegel: Augsburg, in: MennLex V (Mennonitisches Lexikon).
  • Martin Rothkegel: Marpeck, Pilgram, in: MennLex V (Mennonitisches Lexikon).
  • Hut, Hans, in: MennLex V (Mennonitisches Lexikon).
  • Denck, Hans, in: MennLex V (Mennonitisches Lexikon).
  • Gottfried Seebaß: Müntzers Erbe. Werk, Leben und Theologie des Hans Hut, Gütersloh 2002.
  • John H. Yoder: The Legacy of Michael Sattler, Scottdale 1973.
  • Hans Guderian: Die Täufer in Augsburg. Ihre Geschichte und ihr Erbe, Pfaffenhofen 1984.
  • Marion Kobelt-Groch: Helena von Freyberg, in: Evangelische Frauen in Deutschland (Biographien).
  • Hans-Jürgen Goertz: Die Täufer. Geschichte und Deutung, München: C. H. Beck, 1980.
  • The Schleitheim Confession of Faith, in: Christian History Institute.

Die Person, die den Text verfasst hat, ist der Redaktion bekannt, möchte aber nicht genannt werden.
Sie weist darauf hin, dass sich der Text weit von einer endgültigen Fassung entfernt befindet und die Belege teils schwach sind. Sie beziehen sich auf Lexikonartikel und Überblicksdarstellungen.

Augsburger Täufersynode von 1527, Märtyrersynode.
Augsburger Täufersynode von 1527, auch als Augsburger Märtyrersynode bekannt.

Gibt es heute eine Mennonitengemeinde in Augsburg?

Mennoniten-Gemeinde Augsburg, eigenständig seit 1912.

Eine direkte Kontinuität von den Täuferinnen und Täufern des 16. Jahrhunderts in Augsburg zur heutigen Mennoniten-Gemeinde Augsburg, gibt es nicht. Mit der gewaltsamen Auslöschung der frühen Täuferbewegung in dieser Region erlosch auch die damalige Gemeinde in Augsburg.

Nach 1800 siedelten sich amische und mennonitische Familien in Bayern an. Ihre Wurzeln reichen zurück zu den Täuferbewegungen der Reformationszeit. Die Gemeinschaften und ihre Gemeindeglieder lebten über weite Gebiete verstreut. Aus ihnen entwickelten sich um die Jahrhundertwende und besonders zu Beginn des 20. Jahrhunderts die heutigen Mennonitengemeinden im südlichen Bayern.

Die Glieder, die weit westlich von Ingolstadt wohnten und zur Gemeinde um Ingolstadt hielten, bildeten 1912 aufgrund der großen Entfernungen und der wachsenden Zahl von Gemeindegliedern, auch durch Zuzug, in ihrer Region, eine eigene Diasporagemeinde mit zunächst Sitz in Donauwörth. Damit beginnt die Geschichte der heutigen Mennoniten-Gemeinde Augsburg. 1926 wurde der Gemeindesitz nach Augsburg verlegt. Der Gemeinde gehören Menschen unterschiedlicher Herkunft an.

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