Hans Jacob, Schneider

Hans Jacob wird seit den 1530er Jahren im Umfeld der Augsburger Täuferbewegung greifbar; für 1562 liegt ein konkreter Augsburger Archivhinweis vor.

Über Hans Jacob, den die Forschung häufig unter dem Namen Hans Jacob Schneider führt, ist nur wenig Sicheres bekannt. Er erscheint im Umfeld der Augsburger Täuferbewegung des 16. Jahrhunderts und wird sowohl mit Helena von Freyberg wie auch mit dem überörtlichen Netzwerk um Pilgram Marpeck in Verbindung gebracht. Ein konkreter Augsburger Archivnachweis liegt für das Jahr 1562 vor.

Nach neueren Darstellungen gehörte Hans Jacob zu den Personen, die von Helena von Freyberg religiös unterrichtet wurden. Helena stand dem Kreis um Pilgram Marpeck nahe und übernahm innerhalb der Augsburger Täufergemeinde offenbar eine wichtige vermittelnde und lehrende Funktion. In englischsprachiger Literatur findet sich für Hans Jacob mitunter die Formulierung „her tailor Hans Jacob Schneider“. Ihr Sinn ist nicht eindeutig. Sie kann bedeuten, dass er als Schneider für Helena von Freyberg tätig war. Denkbar ist ebenso, dass die spätere Forschung eine Berufsbezeichnung oder einen Beinamen wie einen Familiennamen behandelte und bei der Übersetzung zusätzlich den Beruf ergänzte.

Ein wichtiger Hinweis auf Hans Jacobs Stellung ergibt sich aus seiner möglichen Verbindung zum Kreis der sogenannten Bundesgenossen um Pilgram Marpeck. Martin Rothkegel verweist auf eine Notiz Walburga Marschallckhin von Pappenheims zur Entstehung von Marpecks gegen Kaspar von Schwenckfeld gerichteter „Verantwortung“. Darin werden neben Pilgram Marpeck mehrere führende Täufer genannt, die an der Beratung und Billigung des Textes beteiligt gewesen sein sollen. Zu ihnen gehörte auch ein „Hans Jacob“. Rothkegel setzt ihn mit dem in Augsburg nachweisbaren „Hans Jacob, genannt Schneider“ gleich.

Trifft diese Zuordnung zu, war Hans Jacob nicht lediglich Mitglied einer örtlichen Gemeinde. Er gehörte dann zu einem überregional verbundenen Kreis erfahrener Täufer, der theologische Fragen beriet und gemeinsame Texte mittrug. Die neuere Forschung versteht den Kreis um Marpeck weniger als lose Gruppe persönlicher Anhänger, vielmehr als Netzwerk örtlicher Gemeinden, die durch Briefe, Handschriften, Reisen und persönliche Kontakte verbunden waren. Hans Jacobs Nennung neben Marpeck und weiteren Ältesten könnte daher auf eine gewisse theologische oder organisatorische Autorität hindeuten. Welchen konkreten Anteil er an der Abfassung der „Verantwortung“ hatte, ist nicht bekannt.

Ein eindeutiger archivalischer Beleg findet sich für das Jahr 1562. Im Stadtarchiv Augsburg liegt innerhalb der Literaliensammlung der Stadtkanzlei eine Akte mit dem Titel „Wiedertäufer III (1562)“. Der Katalog verzeichnet darin unter anderem Urgichten, also Verhörprotokolle oder Geständnisse, von Kunigunda Überlerin und ihrem Ehemann „Hans Jacob, Schneider“. Genannt werden außerdem weitere Beschuldigte, darunter Hans Herzog sowie Hans Schmid, Kantengießer, und dessen Ehefrau Anna. Für Kunigunda Überlerin und Hans Jacob sind zudem Bekenntnisse mit öffentlichem Widerruf der Wiedertäuferlehre verzeichnet. Das Ehepaar war demnach von einem obrigkeitlichen Verfahren gegen Augsburger Täufer im Jahr 1562 betroffen.

Die Namensform ist nicht abschließend geklärt. Die Schreibung „Jacob“ mit c war im 16. Jahrhundert gebräuchlich und erlaubt für sich genommen keinen Schluss darauf, ob Jacob ein Vor- oder Familienname war. Im Augsburger Katalogeintrag steht „Hans Jacob, Schneider“. Andere Personen werden dort nach demselben Muster mit Name und Beruf aufgeführt, etwa „Hans Schmid, Kantengießer“, „Erhart Al, Uhrmacher“ oder „Wendel Dieterich, Kistler“. Vieles spricht deshalb dafür, dass „Hans Jacob“ den Namen und „Schneider“ den Beruf bezeichnet. Möglich bleibt, dass „Jacob“ ein Familienname oder „Schneider“ bereits ein verfestigter Beiname war.

Die späteren Formen „Hans Jacob Schneider“, „Hans Jacob, genannt Schneider“ und „her tailor Hans Jacob Schneider“ könnten unterschiedliche Versuche darstellen, diese Bezeichnung wiederzugeben. Bis zur Einsicht in die Originalakten empfiehlt sich daher die quellennahe Form „Hans Jacob, Schneider“.

Ob der 1562 verhörte Hans Jacob zweifelsfrei mit dem von Helena von Freyberg unterrichteten Mann und dem von Rothkegel genannten Angehörigen des Marpeck-Netzwerks identisch ist, muss noch geprüft werden. Für eine Identität sprechen der Name, der Augsburger Kontext, die Zugehörigkeit zur Täuferbewegung und die Bezeichnung „Schneider“. Auch die zeitliche Einordnung wäre stimmig: Marpeck starb 1556, während Hans Jacob 1562 weiterhin oder erneut im Umfeld der verfolgten Augsburger Gemeinde erscheint. Der Aktenfund würde somit zeigen, dass eine Person dieses Namens noch sechs Jahre nach Marpecks Tod wegen ihrer Zugehörigkeit zur Täuferbewegung verfolgt wurde.

Weitere biografische Angaben fehlen bislang weitgehend. Herkunft, Geburtsjahr, Ausbildung, Wohnort und Todesdatum sind nicht gesichert. Der Archivnachweis zeigt, dass Hans Jacob mit Kunigunda Überlerin verheiratet war. Ihr vergleichsweise seltener Name könnte für weitere Nachforschungen hilfreich sein. Steuerlisten, Bürgerbücher, Handwerksakten, Ratsprotokolle und weitere Täuferakten könnten unter ihrem Namen zusätzliche Angaben zum Ehepaar enthalten.

Hans Jacobs historische Bedeutung ergibt sich weniger aus einer vollständig rekonstruierbaren Lebensgeschichte, vielmehr aus den wenigen nachweisbaren Beziehungen. Er begegnet als verheirateter Augsburger Handwerker, verfolgtes Mitglied der Täuferbewegung und möglicherweise als Teil des engeren überregionalen Kreises um Pilgram Marpeck. Die erhaltenen Hinweise reichen noch nicht für eine geschlossene Biografie, ermöglichen eine vorsichtige Einordnung in die sozialen, religiösen und kommunikativen Netzwerke der späten Augsburger Täuferbewegung.

Randy Schirch, 2025. (Dieser Text wurde automatisch ins Deutsche übersetzt)

 

Quellen und Literatur

Die biografischen Angaben zu Hans Jacob sind bislang nur bruchstückhaft überliefert. Eine zentrale archivalische Grundlage bildet der Bestand der Augsburger Stadtkanzlei zu den Täuferverfahren des Jahres 1562. Der Online-Katalog nennt Kunigunda Überlerin und ihren Ehemann „Hans Jacob, Schneider“ unter den Personen, von denen Urgichten sowie Bekenntnisse mit öffentlichem Widerruf der Täuferlehre erhalten sind. Die Originalakten wurden für diese Darstellung noch nicht eingesehen.

Stadtarchiv Augsburg. „Wiedertäufer III (1562).“ Stadtkanzlei, Literaliensammlung. Enthält unter anderem Urgichten und Widerrufserklärungen von Kunigunda Überlerin und ihrem Ehemann Hans Jacob, Schneider, sowie weiterer Angehöriger der Augsburger Täuferbewegung.

Für die Einordnung Hans Jacobs in das überörtliche Netzwerk um Pilgram Marpeck ist vor allem Martin Rothkegels Untersuchung maßgeblich. Rothkegel beschreibt den Kreis nicht nur als persönliche Gefolgschaft Marpecks, sondern als ein Netzwerk verbundener Gemeinden, das in zeitgenössischen Quellen als „Bundesgenossen“ beziehungsweise „Fellows of the Covenant“ erscheint. Er identifiziert einen im Zusammenhang mit führenden Mitgliedern dieses Kreises genannten „Hans Jacob“ mit dem in Augsburg nachweisbaren „Hans Jacob, genannt Schneider“. Die Grundlage dieser Gleichsetzung muss noch an den von Rothkegel herangezogenen Einzelquellen überprüft werden.

Rothkegel, Martin. “Pilgram Marpeck and the Fellows of the Covenant: The Short and Fragmentary History of the Rise and Decline of an Anabaptist Denominational Network.” The Mennonite Quarterly Review 85, no. 1 (2011): 7–36.

Die Verbindung zu Helena von Freyberg wird vor allem in der nordamerikanischen Forschung zur Beteiligung von Frauen an der frühen Täuferbewegung behandelt. Dort erscheint Hans Jacob als eine von Helena unterrichtete Person und teilweise als „her tailor Hans Jacob Schneider“. Diese Formulierung sollte nicht ungeprüft als Beleg für einen festen Familiennamen und zugleich für eine persönliche Anstellung übernommen werden. Der Augsburger Archivkatalog legt nahe, dass „Schneider“ ursprünglich eine Berufsangabe gewesen sein könnte.

Huebert Hecht, Linda. “An Extraordinary Lay Leader: The Life and Work of Helene von Freyberg.” The Mennonite Quarterly Review 66 (1992): 312–341.

Snyder, C. Arnold, and Linda A. Huebert Hecht, eds. Profiles of Anabaptist Women: Sixteenth-Century Reforming Pioneers. Waterloo, Ontario: Wilfrid Laurier University Press, 1996.

Die Forschungsliteratur ermöglicht damit eine vorläufige Verbindung zwischen drei Überlieferungszusammenhängen: Helena von Freybergs Lehrtätigkeit, dem Netzwerk der Bundesgenossen um Pilgram Marpeck und dem Augsburger Täuferverfahren von 1562. Ob alle Nennungen dieselbe Person betreffen, ist wahrscheinlich, aber noch nicht abschließend nachgewiesen.