Pilgram Marpeck in Augsburg

Pilgram Marpeck in Augsburg: Ingenieur und führende Persönlichkeit der Täuferbewegung, 1544 – 1556

Pilgram Marpeck (um 1544–1556).
Pilgram Marpeck (um 1544–1556).

Ankunft in einer Stadt nach der Täuferverfolgung

Als Pilgram Marpeck 1544 nach Augsburg kam, lag bereits ein von religiösen Konflikten und häufigen Ortswechseln geprägter Lebensweg hinter ihm. Um 1495 im Tiroler Rattenberg geboren, entstammte er einer angesehenen Bürgerfamilie. Er war im Bergbau tätig, gehörte dem Rat seiner Heimatstadt an und bekleidete das Amt eines Bergrichters. Diese Stellung verband technische Sachkenntnis mit Verwaltungs- und Gerichtsfunktionen (Klaassen & Klassen, 2008; Rothkegel, n.d.-a).

Seine Hinwendung zur Täuferbewegung brachte ihn in Konflikt mit der habsburgischen Obrigkeit. Anfang 1528 gab er sein Amt auf und verließ Rattenberg. In den folgenden Jahren lebte er unter anderem in Straßburg, wo er mit Aufgaben des Holz- und Wasserbaus betraut war. Zugleich trat er als täuferischer Lehrer hervor und geriet in eine Auseinandersetzung mit den Straßburger Reformatoren um Martin Bucer. Anfang 1532 musste er die Stadt verlassen (Boyd, 1992; Klaassen & Klassen, 2008).

Die anschließenden Jahre führten Marpeck und seine Frau Anna durch verschiedene Regionen Süddeutschlands, der Schweiz und Tirols. Zeitweise hielt er sich auch im Umfeld der Austerlitzer Täufergemeinde in Mähren auf. Er besuchte verstreute Gemeinden, führte Korrespondenzen und arbeitete an theologischen Schriften. Seit Februar 1544 ist Augsburg als sein dauerhafter Wohnort dokumentiert. Bis zu seinem Tod im Jahr 1556 blieb die Reichsstadt der Mittelpunkt seiner beruflichen und religiösen Tätigkeit (Rothkegel, n.d.-a).

Marpeck traf dort nicht auf die große Täufergemeinde der späten 1520er Jahre. Augsburg hatte damals zu den wichtigsten Zentren der süddeutschen Täuferbewegung gehört. Persönlichkeiten wie Hans Denck, Hans Hut und Ludwig Hätzer hatten in der Stadt gewirkt; Versammlungen waren jedoch aufgelöst, Beteiligte verhört, ausgewiesen oder hingerichtet worden. Nach 1535 trat die Täuferbewegung kaum noch öffentlich hervor. Eine kleine Restgruppe und einzelne persönliche Verbindungen bestanden jedoch fort. Um Marpeck sammelte sich erneut ein überschaubarer Kreis von Taufgesinnten, den er betreute und mit überregionalen Gemeinden verband. Ob dies als eigentliche Neugründung oder eher als Belebung vorhandener Strukturen zu verstehen ist, lässt sich aus den Quellen nicht eindeutig entscheiden (Rothkegel, n.d.-a, n.d.-b).

Beschäftigung unter Vorbehalt

In Augsburg trat Marpeck in städtische Dienste. Als Mitglied der „Geschworenen Werkleute“, einer mit Bau- und Infrastrukturfragen befassten Kommission, war er an der Beaufsichtigung der Wasser- und Holzversorgung beteiligt. Seine fachliche Erfahrung machte ihn für die Stadt wertvoll. Daraus folgte jedoch weder eine Anerkennung seines Glaubens noch ein gesichertes Recht auf täuferische Religionsausübung (Rothkegel, n.d.-a).

Die ältere Vorstellung eines stillschweigenden Abkommens, bei dem die Stadt Marpecks religiöse Tätigkeit als Gegenleistung für seine technischen Dienste geduldet habe, lässt sich aus den Quellen nicht belegen. Erkennbar ist vielmehr eine widersprüchliche obrigkeitliche Praxis. Der Rat beschäftigte Marpeck, ging aber wiederholt gegen seine Tätigkeit als Täufer vor.

Bereits am 16. Juli 1545 wurde er durch den Bürgermeister Georg Herwart verwarnt. Weitere Maßnahmen sind für 1550 und 1553 belegt. Am 25. September 1554 beschloss der Rat angesichts seiner fortgesetzten Glaubensverbreitung, ihm nahezulegen, seinen Lebensunterhalt andernorts zu suchen. Dennoch blieb Marpeck bis zu seinem Tod im städtischen Dienst (Klaassen & Klassen, 2008; Rothkegel, n.d.-a).

Warum die angedrohte Ausweisung nicht vollzogen wurde, geht aus den erhaltenen Nachrichten nicht eindeutig hervor. Seine berufliche Verwendbarkeit dürfte dabei eine Rolle gespielt haben, ist aber nicht als alleinige Erklärung nachweisbar. Ebenso denkbar sind persönliche Fürsprache, eine begrenzte Durchsetzungsbereitschaft des Rates oder der Umstand, dass die Zusammenkünfte klein und wenig öffentlich blieben.

Marpecks Lage ist daher am treffendsten als prekäre, mehrfach infrage gestellte Duldung zu beschreiben. Sie beruhte nicht auf einem verlässlichen Arrangement, sondern auf einer zeitweiligen Diskrepanz zwischen dem religiösen Ordnungsanspruch der Obrigkeit und ihrer tatsächlichen Praxis.

Augsburg zwischen Reformation, Krieg und Interim

Marpecks Aufenthalt fiel in eine politisch und konfessionell unruhige Phase. Augsburg hatte sich seit den 1520er Jahren der evangelischen Reformation geöffnet, blieb als Reichsstadt jedoch eng in die Politik Kaiser Karls V. eingebunden. Nach der Niederlage des Schmalkaldischen Bundes im Jahr 1547 verstärkte sich der kaiserliche Einfluss auf die Stadt.

Das Augsburger Interim von 1548 sollte bis zu einer allgemeinen kirchlichen Einigung eine vorläufige Religionsordnung schaffen. Es stellte zahlreiche katholische Formen wieder her, räumte den Evangelischen aber einzelne Zugeständnisse ein. Seine Einführung führte in Augsburg zu schweren politischen und kirchlichen Konflikten. Der Kaiser veränderte die Ratsverfassung, und mehrere evangelische Geistliche mussten ihre Ämter aufgeben oder die Stadt verlassen.

Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 erkannte schließlich die katholische und die lutherische Konfession reichsrechtlich an. Täuferische Gemeinden blieben davon ausgeschlossen. Marpecks langjähriger Aufenthalt war somit keine Folge allgemeiner Religionsfreiheit. Er bildete eine örtlich und persönlich begrenzte Ausnahme innerhalb eines Rechtsrahmens, der täuferische Religionsausübung weiterhin nicht schützte.

Ingenieur für Wasser- und Holzversorgung

Marpecks Tätigkeitsbereich umfasste zwei für Augsburg zentrale Infrastrukturaufgaben. Die Stadt unterhielt ein weit entwickeltes System aus Kanälen, Brunnenwerken, Pumpen, Wassertürmen und Leitungen. Zugleich war sie für Bauwesen, Handwerk und Energieversorgung auf den regelmäßigen Holztransport über den Lech angewiesen.

Für diese Aufgaben konnte Marpeck auf seine Erfahrungen aus dem Tiroler Bergbau und seiner Straßburger Zeit zurückgreifen. Im Bergbau waren Kenntnisse der Wasserführung, des Gefälles, des Kanalbaus und der Materialversorgung unverzichtbar. In Straßburg hatte er ebenfalls an wasser- und holzwirtschaftlichen Projekten gearbeitet (Klaassen & Klassen, 2008).

Marpeck war jedoch nicht der Begründer des Augsburger Wasserversorgungssystems. Dessen wesentliche Strukturen bestanden schon vor seiner Ankunft und wurden über Jahrhunderte von zahlreichen Fachkräften entwickelt. Seine Leistung lag in der Beaufsichtigung und Weiterentwicklung bestehender Anlagen sowie in der Verbindung von technischer und organisatorischer Kompetenz (Rothkegel, n.d.-a).

Einzelne ältere Darstellungen schreiben ihm die grundlegende Erneuerung der Wasserversorgung oder die Einführung privater Hausanschlüsse zu. Solche Leistungen lassen sich ihm persönlich nicht sicher zuordnen. Belegt ist seine verantwortliche Mitarbeit an der städtischen Wasser- und Holzversorgung; weitergehende Zuschreibungen sollten nur anhand konkreter Bau- oder Rechnungsakten vorgenommen werden.

Die Augsburger Gemeinde und ihr Umfeld

Die von Marpeck betreute Täufergemeinde war wesentlich kleiner als die Augsburger Bewegung der 1520er Jahre. Neuere Darstellungen gehen von einem überschaubaren Kreis von einigen Dutzend Personen aus. Das Gemeindeleben beschränkte sich weitgehend auf gelegentliche, informelle Zusammenkünfte; zugleich hielt Marpeck durch Briefe und Boten Verbindung zu weit verstreuten Gemeinden seines Netzwerks (Rothkegel, n.d.-a).

Eine vollständige Liste der Augsburger Gemeindemitglieder ist nicht überliefert. Bei den bekannten Namen muss zudem zwischen dauerhaft in Augsburg lebenden Personen und Angehörigen des überregionalen Netzwerks unterschieden werden.

Helena von Freyberg gehörte neben Marpeck zu den profilierten täuferischen Persönlichkeiten im Augsburg dieser Jahre. Die aus Tirol stammende Adlige hatte bereits seit den späten 1520er Jahren Täufer:innen unterstützt, Versammlungen ermöglicht und religiöse Unterweisung übernommen. In Augsburg unterrichtete sie Hans Jacob Schneider, der später zu den wichtigen Führungspersonen der dortigen Gemeinde zählte. Helena von Freyberg war daher nicht lediglich eine Förderin oder Anhängerin Marpecks, sondern handelte aufgrund eigener religiöser Autorität. Da sie wahrscheinlich 1545 starb, beschränkte sich ihre unmittelbare Zusammenarbeit mit Marpeck in Augsburg allerdings auf einen kurzen Zeitraum (Hecht, n.d.).

Über die Rolle von Marpecks Frau Anna ist erheblich weniger bekannt. Sie hatte seine Wanderjahre mitgetragen und gehörte seinem engsten persönlichen Umfeld an. Bestimmte Aufgaben innerhalb der Augsburger Gemeinde lassen sich ihr nach gegenwärtiger Quellenlage jedoch nicht sicher zuschreiben.

Mit Marpeck verbunden waren außerdem Personen wie Leupold Scharnschlager und Jörg Probst Rotenfelder, genannt Jörg Maler. Scharnschlager gehörte zu den wichtigsten theologischen Mitarbeitenden des Netzwerks. Jörg Maler stellte später im sogenannten „Kunstbuch“ zahlreiche Briefe und Abhandlungen des Marpeck-Kreises zusammen. Beide waren für das überregionale Beziehungsgeflecht bedeutend, können aber nicht ohne Weiteres als dauerhaft ansässige Mitglieder der Augsburger Ortsgemeinde gelten.

Hans Jacob Schneider trat in den 1550er Jahren als wichtige Augsburger Führungspersönlichkeit hervor. Seine Nennung zeigt, dass die Gemeinde nicht allein von Marpeck abhing, sondern weitere Personen hervorbrachte, die lehrende oder organisatorische Verantwortung übernahmen. Ob dabei feste Ämter, eindeutige Rangordnungen oder geregelte Nachfolgen bestanden, lässt sich aus den erhaltenen Quellen nicht zuverlässig rekonstruieren.

Das Wissen über die Gemeinde bleibt somit fragmentarisch. Schriftlich greifbar sind vor allem Personen, die aufgrund ihrer Leitungsfunktion, ihrer sozialen Stellung oder ihrer Beteiligung an Korrespondenzen Spuren hinterließen. Die meisten Angehörigen der Gruppe bleiben namenlos.

Theologische Arbeit in Augsburg

Parallel zu seiner städtischen Tätigkeit setzte Marpeck seine theologische und gemeindliche Arbeit fort. Er verfasste und verbreitete Briefe, Stellungnahmen und umfangreiche Abhandlungen. Die Schriften entstanden häufig nicht als Werke eines isolierten Autors, sondern in Zusammenarbeit mit anderen führenden Personen und im Austausch mit den betreuten Gemeinden.

Zu den wichtigsten Texten seiner späteren Jahre gehört die 1547 in Straßburg gedruckte „Testamentserläuterung“. Sie ordnete alt- und neutestamentliche Bibelstellen einander zu und richtete sich zugleich gegen zentrale Annahmen des spiritualistischen Reformators Kaspar Schwenckfeld. Daneben arbeitete Marpeck mit seinem Umfeld über Jahre an der umfangreichen „Verantwortung“, einer Erwiderung auf Schwenckfelds Kritik an der 1542 erschienenen „Vermahnung“ (Fast, 1956; Klassen & Klaassen, 1978).

Im Mittelpunkt von Marpecks Theologie stand die Gemeinde als sichtbare Gemeinschaft von Menschen, die sich freiwillig zum Glauben bekannten. Die Taufe setzte für ihn eine persönliche Glaubensentscheidung voraus. Das Abendmahl verstand er als gemeinschaftliches Zeichen der Erinnerung an Christus und der gegenseitigen Verpflichtung. Christliche Nachfolge sollte sich in Wahrhaftigkeit, gegenseitiger Hilfe, Gewaltverzicht und der Bereitschaft zeigen, Nachteile um des Glaubens willen hinzunehmen (Boyd, 1992; Rempel, 1993).

Marpeck lehnte eine Kirche ab, die ihre Lehre mit staatlicher Zwangsgewalt durchsetzte. Zugleich wandte er sich gegen eine so weitgehende Verinnerlichung des Glaubens, dass Taufe, Abendmahl und verbindliche Gemeinde an Bedeutung verloren. Sein Denken verband daher die persönliche Glaubensentscheidung mit einer konkreten gemeinschaftlichen Praxis.

Auseinandersetzung mit den Schwenckfeldern

Eine zentrale Kontroverse der Augsburger Jahre betraf die Anhänger:innen Kaspar Schwenckfelds. Schwenckfeld hielt sich zeitweise in Augsburg auf und verfügte dort über ein einflussreiches Beziehungsnetz. Seine Anhängerschaft bot Menschen, die den etablierten Kirchen kritisch gegenüberstanden, eine religiöse Alternative zur Täuferbewegung (Rothkegel, n.d.-a).

Marpeck und Schwenckfeld stimmten in ihrer Kritik an der obrigkeitlich verfassten Kirche teilweise überein. Beide betonten das Wirken des Heiligen Geistes und lehnten eine bloß äußerliche Religionsausübung ab. Der entscheidende Unterschied lag in der Bedeutung, die sie den sichtbaren Formen der Gemeinde beimaßen.

Schwenckfeld begegnete äußeren Sakramenten und festen kirchlichen Ordnungen mit größerer Zurückhaltung. Marpeck hielt dem entgegen, dass der innere Glaube eine leibliche und gemeinschaftliche Gestalt benötige. Taufe und Abendmahl waren für ihn nicht heilswirksame Zeremonien, aber verbindliche Zeichen einer Gemeinde, die ihren Glauben praktisch lebte.

Die Grenzen zwischen beiden Kreisen waren personell durchlässiger, als die polemischen Schriften vermuten lassen. Helena von Freyberg stand mit Marpeck und Schwenckfeld in Verbindung. Im Streit um Marpecks „Vermahnung“ übermittelte sie Schriften und Stellungnahmen zwischen ihnen. Sie fungierte damit als Kontakt- und Vermittlungsperson, ohne dass sich eine neutrale Stellung oder eine erfolgreiche Beilegung des theologischen Konflikts nachweisen ließe (Hecht, n.d.).

Aus Schwenckfelds Beurteilung der „Vermahnung“ entwickelte sich eine langjährige schriftliche Auseinandersetzung. Marpeck und seine Mitarbeitenden antworteten mit der umfangreichen „Verantwortung“. Der Konflikt zeigt, dass das radikale reformatorische Spektrum keine einheitliche Bewegung bildete. Täuferische und spiritualistische Gruppen konkurrierten um ähnliche soziale Milieus, unterschieden sich aber grundlegend in ihrem Verständnis von Gemeinde, Taufe und Abendmahl.

Lehrer und Verbindungsperson eines verstreuten Netzwerks

Marpecks Wirkung beschränkte sich nicht auf Augsburg. Von dort aus stand er durch Boten und Sendbriefe mit verstreuten Gemeinden und Einzelpersonen in Süddeutschland, der Schweiz, dem Elsass, Tirol, Mähren und Österreich in Verbindung. Für dieses Netzwerk ist in den 1540er und 1550er Jahren die Selbstbezeichnung „Bundesgenossen“ überliefert (Rothkegel, n.d.-a).

Es handelte sich nicht um eine zentral organisierte Kirche. Die einzelnen Gruppen lebten unter unterschiedlichen politischen Bedingungen, waren durch Verfolgung geschwächt und vertraten nicht in allen Fragen dieselben Auffassungen. Marpecks Aufgabe bestand vor allem darin, Verbindungen zu erhalten, theologische Orientierung anzubieten und Streitfragen gemeinsam mit anderen führenden Personen zu bearbeiten.

Seine Vermittlungsbereitschaft bedeutete keine unterschiedslose Toleranz. Marpeck grenzte sich deutlich von Lehren ab, die er für unvereinbar mit einer verbindlichen christlichen Gemeinde hielt. Zugleich bemühte er sich, abweichende Auffassungen nicht vorschnell mit Glaubensabfall gleichzusetzen. Entscheidungen über Lehre sollten nach seinem Verständnis nicht allein von einzelnen Autoritäten, sondern im prüfenden Austausch der Gemeinde getroffen werden (Williams, 2000).

Augsburg bot ihm für diese Tätigkeit einen vergleichsweise beständigen Ausgangspunkt. Von einem sicheren Zentrum kann dennoch nicht gesprochen werden. Seine Korrespondenz, die Weitergabe von Texten und die örtlichen Zusammenkünfte blieben von obrigkeitlichen Eingriffen bedroht.

Tod und Nachwirkung

Pilgram Marpeck starb im Herbst 1556 in Augsburg. In den städtischen Rechnungsbüchern ist bei der letzten für ihn vorgesehenen Zahlung des Jahres vermerkt, dass er verstorben sei. Ein genaues Todesdatum ist nicht überliefert (Klaassen & Klassen, 2008).

Sein Augsburger Leben lässt sich weder als Geschichte ungestörter Toleranz noch als einfaches Tauschgeschäft zwischen technischer Leistung und religiöser Duldung beschreiben. Die Stadt beschäftigte einen fachlich qualifizierten Werkmeister, dessen religiöse Tätigkeit sie zugleich missbilligte und wiederholt einzuschränken versuchte. Weshalb die angedrohten Konsequenzen letztlich ausblieben, ist nicht abschließend geklärt.

Als städtischer Fachmann wirkte Marpeck an der Sicherung einer für Augsburg unverzichtbaren Infrastruktur mit. Innerhalb der Täuferbewegung war er ein maßgeblicher Lehrer, betreute die kleine Augsburger Gemeinde und verband sie mit einem weiträumigen Beziehungsnetz. Die Bezeichnung „Ältester“ ist in der Forschung für seine übergeordnete Stellung gebräuchlich, lässt sich jedoch nicht ohne Weiteres als förmlich dokumentiertes Augsburger Gemeindeamt verstehen (Wenger, 1940; Rothkegel, n.d.-a).

Marpecks Schriften entwickelten eine Theologie, die persönliche Glaubensfreiheit, sichtbare Gemeinde, Gewaltverzicht und die Unabhängigkeit der Kirche von staatlichem Zwang miteinander verband. Seine Stellung in Augsburg beruhte auf keiner gesicherten konfessionellen Koexistenz. Sie war das Ergebnis einer instabilen Praxis, in der städtischer Nutzen, persönliche Handlungsspielräume, begrenzte Kontrolle und fortbestehende Repression nebeneinanderstanden. Gerade diese Spannung macht seine Augsburger Jahre zu einem aufschlussreichen Beispiel für die widersprüchlichen Lebensbedingungen religiöser Minderheiten im 16. Jahrhundert.

M. Dueck, 2024. (Dieser Text wurde automatisch übersetzt)

References

  1. Boyd, S. B. (1992). Pilgram Marpeck: His life and social theology. Duke University Press.
  2. Fast, H. (1956). Pilgram Marbeck und das oberdeutsche Täufertum: Ein neuer Handschriftenfund. Archiv für Reformationsgeschichte, 47(1–2), 212–242. https://doi.org/10.14315/arg-1956-1-212
  3. Hecht, L. H. (n.d.). Freyberg, Helena von. In MennLex V. Retrieved July 25, 2024, from https://www.mennlex.de/doku.php?id=art:freyberg_helena_von
  4. Klaassen, W., & Klassen, W. (2008). Marpeck: A life of dissent and conformity. Herald Press.
  5. Klassen, W., & Klaassen, W. (Eds.). (1978). The writings of Pilgram Marpeck. Herald Press.
  6. Rempel, J. D. (1993). The Lord’s Supper in Anabaptism: A study in the Christology of Balthasar Hubmaier, Pilgram Marpeck, and Dirk Philips. Herald Press.
  7. Rothkegel, M. (n.d.-a). Marpeck, Pilgram. In MennLex V. Retrieved July 25, 2024, from https://www.mennlex.de/doku.php?id=art:marpeck_pilgram
  8. Rothkegel, M. (n.d.-b). Augsburg. In MennLex V. Retrieved July 25, 2024, from https://www.mennlex.de/doku.php?id=loc:augsburg
  9. Wenger, J. C. (1940). Pilgram Marpeck, Tyrolese engineer and Anabaptist elder. Church History, 9(1), 24–36. https://doi.org/10.2307/3160806
  10. Williams, G. H. (2000). Pilgram Marpeck (1495?–1556): The church and the Old Testament. In Reformers in the wings: From Geiler von Kaysersberg to Theodore Beza (pp. 153–160). Oxford University Press. https://doi.org/10.1093/0195130480.003.0021