Dorothee Sölle - Prophetin unserer Tage

Dorothee Sölle

Am 30. September 2019 wäre Dorothee Sölle 90 Jahre alt geworden. Sie starb am 27. April 2003. Dorothee Sölle gehört zu den ganz Großen unter den Theologinnen und Theologen. Eine Prophetin unserer Tage. Sie hinterließ als Schriftstellerin zahlreiche Werke. Als kreative theologische Denkerin hat Dorothee Sölle etwas zu sagen!

Frei werden wir erst, wenn wir uns mit dem Leben verbünden gegen die Todesproduktion und die permanente Tötungsvorbereitung. Frei werden wir weder durch Rückzug ins Private, ins „Ohne mich“, noch durch Anpassung an die Gesellschaft, in der Generäle und Millionäre besonders hochgeachtet werden. Frei werden wir, wenn wir aktiv, bewußt und militant für den Frieden arbeiten lernen.

– Dorothee Sölle, Im Hause des Menschenfressers, Rowohlt

Unsere Aufgabe als Nachfolgende Jesu ist, gegen Unrecht unüberhörbar Stellung nehmen, als Korrektiv. Ökumenisch. Empört, zornig und laut. Bekennende Kirche zeichnet sich dadurch aus, indem sie nicht schweigt wo Unrecht geschieht.
Rechtssicherheit wird Stück für Stück abgebaut. Hilferufende Menschen werden wieder verfolg. Lebensretter kriminalisiert. Das Ertrinkenlassen von Menschen, billig mit offenen Augen politisch gewollt. Menschen werden öffentlich gejagt und staatliche Instanzen stellen sich schützend vor die Jäger. Staatliche Überwachungen machen kein Halt vor der Privatsphäre. Der Umbau von einer Verteidigungsarmee zu einer Interventionsarmee geht hemmungslos ungebremst voran. In was für einem Land leben wir, in dem das wieder möglich ist.
Was würde Dorothee Sölle zu dieser äußerst negativen Entwicklung sagen, die Deutschland wieder genommen hat? Eines ist sicher, sie schweigt mit dem was sie uns hinterlassen hat nicht.

Die jüngeren unter den Lesenden haben 1983 nicht miterlebt, kennen Dorothee Sölles Vortrag im Jahr 1983, vor dem Ökumenischen Rat der Kirchen in Vancouver, nur aus Erzählungen. Der Vortrag ist heute so aktuell wie damals, er kann auf Zeit Online (zeit.de) nachgelesen werden.

Ich spreche zu Ihnen als eine Frau, die aus einem der reichsten Länder der Erde kommt; einem Land mit der blutigsten, nach Gas stinkenden Geschichte, die einige von uns Deutschen noch nicht vergessen konnten … Reich ist die Welt, in der ich lebe, vor allem an Tod und besseren Möglichkeiten zu töten..

– Dorothee Sölle, 1983 in Vancouver, vor dem Ökumenischen Rat der Kirchen

An dieser Stelle war geplant das Gedicht „Der dritte weg“, aus Dorothee Sölles Buch „zivil und ungehorsam“, einzufügen. Leider war die Zeit zu knapp die Rechte dafür einzuholen. In diesem Gedicht beschreibt Sölle einen Dritten Weg. Ein Weg den wir Christinnen und Christen kennen aber uns, uns als Leib nicht gefordert genug dafür einsetzen.

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