Die andere Reformation

Augsburg: Ein Ostergottesdienst wird gesprengt

Erinnerung an die Osterversammlung der Täufer 1528
Mittwoch 12.04.2017, 19.00 Uhr, Hinterer Lech 2, Augsburg


Vom Tod zum Leben: Der Weg des Hans Leupold
Dienstag, 25.04.2017, 18.00 Uhr, Zukunftsdenkmal am Fuß- und Radweg vom Klinkertor zum Eisstadion, Augsburg

Augsburg, 12. April 1528. Am Ostersonntag in aller Frühe versammeln sich im Haus von Susanna und Hans Daucher hundert Männer und Frauen. Sie wollen miteinander die Auferstehung Christi feiern. Doch die Versammlung ist illegal. Nach anfänglicher Duldung können sich die „Gartengeschwister“ inzwischen nur noch im Geheimen treffen. Zwölf Personen verlassen die Versammlung vorzeitig. Die Stadtwache umstellt das Haus und verhaftet achtundachtzig Täuferinnen und Täufer. Alle werden verhört, die Auswärtigen bald ausgewiesen.

… in den Versammlungen sei nur das Wort Gottes vorgelesen und gelehrt worden.                                  Verhörprotokoll der Maxentia Wissinger, April 1528

Die Augsburger unter ihnen werden noch länger „gütlich und peinlich befragt“, also ohne und mit Folter verhört. Dorothea Fröhlich, Scholastika Stierpaur und Thomas Paur erhalten ein Kreuz auf die Wange gebrannt. Strafe dafür, dass auch sie ihr Haus für Versammlungen geöffnet hatten. Elisabeth Heggenmiller wird die Zunge herausgeschnitten, weil sie Gott gelästert habe. Der Prediger Hans Leupold wird zum Tod verurteilt. Auch die Hausherrin Susanna Daucher wird zu einem Brandzeichen „auf den Backen“ verurteilt. Doch weil sie schwanger ist, wird ihr das „aus Gnaden“ erlassen. Am 21.4.1528 wird sie ausgewiesen. Ihre beiden kleinen Söhne muss sie zurücklassen. Dutzende andere Verurteilte werden „aus der Stadt gehauen“.

Zum Jahrestag des Geschehens werden die Namen der Ostern 1528 Verhafteten und Verurteilten verlesen. Sie sind in den Verhörprotokollen im Augsburger Stadtarchiv überliefert.