21. Januar 1525 Zürich. 500 Jahre Täuferbewegung 1525-2025. 500 Jahre auf dem Weg
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500 Jahre Täuferbewegung (1525–2025): Auf dem Weg als Tänzer:innen und Stolpernde – immer wieder aufstehen und glauben, wie Jesus geglaubt hat. Gemeinsam mit unseren Geschwistern weltweit unterwegs: Jesus nachfolgen, Einheit in Vielfalt leben, Frieden schaffen. Wir sind Brückenbauer:innen zwischen Religionen, Ländern, Ethnien und Gemeinschaften. Möge Gottes Heilung und Hoffnung durch uns in die Welt strömen.
Das Bild und der darunter stehende Text wurden am Gedenktag, dem 21. Januar 2025, auf unserer Eingangsseite veröffentlicht. Die Bewegung war am 21. Januar 1525 längst im Gange. Dieses Datum wurde jedoch erst später rückwirkend als „Geburtsstunde“ der Bewegung festgelegt, da sich die erste dokumentierte Taufe an diesem Tag symbolisch dafür anbot. Mit der Taufe erhielt die Bewegung durch die Getauften eine verbindliche Grundlage.
Eine deteillierte Untersuchung der Taufe und der Gegebenheiten in Zürich würde hier den Rahmen sprengen. Wichtig ist jedoch zu erwähnen, dass das Taufen mündiger Menschen von der Obrigkeitskirche abgelehnt wurde. Ein Jahr nach der ersten Taufe als Bekenntnis am 21. Januar 1525 erließ der Zürcher Rat am 7. März 1526 ein Mandat, das die „Wiedertaufe“ unter Androhung der Todesstrafe verbot. Dieses Verbot wurde konsequent durchgesetzt, wie die Hinrichtung von Felix Mantz am 5. Januar 1527 zeigt, der durch Ertränken in der Limmat getötet wurde.
Aus Sicht der Täufer:innen ist die Taufe kein Sakrament – der Akt allein wird nicht als heilsbringend angesehen. Die Taufe wird als Zeichen verstanden … das persönliche Bekenntnis des Glaubens!
Von diesem Zeitpunkt an war die Bewegung keineswegs eine einheitliche Strömung. Die Findungsphase begann zwar, wurde aber durch die bereits in den ersten Stunden einsetzende Verfolgung jäh unterbrochen – mit Folgen, die bis heute spürbar sind. In den ersten Jahren fiel nahezu die gesamte geistige Elite der Täufer:innen dieser Verfolgung zum Opfer. Unzählige Täufer:innen wurden ins Gefängnis gesteckt, gefoltert, vertrieben und auf grausame Weise getötet, darunter durch Verbrennung oder Ertränkung.
Täufer:innen verstehen Gerechtigkeit und Gewaltfreiheit, häufig unter dem umfassenderen Begriff ‚Schalom‘ zusammengefasst, als Ausdruck von AGAPE und verstehen sie zugleich als zentralen Auftrag. Untrennbar damit verbunden ist die Erkenntnis, dass sozialistische Prinzipien für die Kirchen unumgänglich sind, um glaubwürdig Zeugnis als Leib Christi abzulegen. Ebenso betont wird die Bedeutung der Trennung von Kirche und Staat sowie der freiwilligen Zugehörigkeit zur Gemeinde (Kirche). In direkter Linie gelten heute die Mennoniten, Amischen und Hutterer als Erben dieser Bewegung. Weltweit gibt es etwa 2,2 Millionen Mennoniten und Mennonitinnen.
Ein Teil dieser Glaubensgemeinschaften (wie Meserete Kristos Church, Church of the Brethren usw.) ist in der 1925 gegründeten Mennonitischen Weltkonferenz (MWK) organisiert. Die MWK versteht sich als Gemeinschaft (Koinonia) täuferischer Kirchen, die durch Gemeinschaft, Gottesdienst, Dienst und Zeugnis zu einer weltweiten Glaubensgemeinschaft verbunden sind. Ihr Ziel ist es
- eine globale Glaubensgemeinschaft in der Tradition der Täufer:innen zu sein,
- die Beziehungen zwischen täuferischen Kirchen weltweit zu fördern und
- mit anderen weltweiten christlichen Gemeinschaften und Organisationen in Verbindung zu stehen.
Viele „täuferische“ Grundüberzeugungen – die nicht ausschließlich unsere eigenen sind, sondern bereits zuvor von anderen betont wurden und als Ausdruck einer göttlichen Ordnung verstanden werden – finden inzwischen auch in anderen Kirchen Gehör; einige davon sind heute als Menschenrechte festgeschrieben.
Zu den Werten gehören under anderen die freiwillige Glaubensentscheidung als Grundlage der Nachfolge, das klare Bekenntnis zur Gewaltfreiheit und Gerechtigkeit als Friedenszeugnis, die Trennung von Kirche und Staat, der bewusste Verzicht auf Kirchensteuern, die Konzentration auf Ortsgemeinden und die aktive Beteiligung von Laien. In den letzten Jahrzehnten sind viele neue Gemeinschaften entstanden, die täuferischen Werte aufgreifen und sich der Bewegung anschließen.