Reformationstag für die Reformation

Reformationstag für die Reformation

Am 30. Oktober ist Reformationstag. Jedes Jahr erinnert er an den Startschuß zur Reformation mit den 95 Thesen Martin Luthers. Die Forschung meint übrigens heute, er habe sie nicht an die Tür der Schloßkirche in Wittenberg genagelt, sondern einfach als Flugschrift in Umlauf gebracht. Auch stand damals schon mehr als 100 Jahre lang das Thema „Reform der Kirche“ auf der Tagesordnung. In Konstanz kamen 1414 bis 1418 Politiker, Gelehrte und Kirchenleute zu Reformberatungen zusammen. Unter anderem beendete dieses Konstanzer Konzil den unhaltbaren Zustand, daß es zeitweise zwei oder gar drei konkurrierende Päpste gab. Leider beendete das Konzil auch das Leben eines Reformators. Der tschechische Theologe Hans Hus forderte schon vieles, was 100 Jahre danach mit Luther & Co wieder aktuell wurde. Obwohl ihm freies Geleit zugesichert war, wurde er als Ketzer zum Tod verurteilt und am 6.7.1415 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Ebenso hingerichtet wurde sein Freund und Mitarbeiter, der Gelehrte Hieronymus, von Prag am 30.5.1416. Ihre Ideen, die nicht nur in Böhmen und Mähren von vielen Menschen geteilt wurden, waren jedoch damit nicht aufzuhalten.

Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, und der ist Jesus Christus.
– 1. Korinther 3,11 Menge Bibel

Der Reformationstag erinnert auch an diese beiden und andere, die vor Luther schon für Reformen eintraten. Ebenso kann er ein Gedenktag sein an die Reformer, die mit ihm zusammen antraten oder nach ihm kamen. Denn „ecclesia semper reformanda“, zu Deutsch „die Kirche ist immer zu reformieren“. Als Tagesspruch für den Reformationstag dient jedes Jahr 1 Kor 3, 11: „Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, und der ist Jesus Christus.“ Lange bevor es einen Reformationsfeiertag gab hatte Menno Simons diesen Vers als Wahlspruch angenommen und ihn auf die Titelseite aller seiner Schriften setzen lassen.

500 Jahre andere Reformation

2020 beginnt die Halbdekade „Gewagt! 500 Jahre Täuferbewegung“. Bis zum Gedenkjahr 2025 „500 Jahre Täuferbewegung“ gibt es jeweils ein Jahresthema, Themenhefte und wir sind aufgefordert, diese fünf Jahre inhaltlich zu gestalten. Die Ev. lutherische Kirche in Bayern hat schon Interesse bekundet, das mit uns zusammen zu tun und Begegnungen zu gestalten. Wir können gespannt sein.

2027 wird’s dann für Augsburg noch mal spannend. Dann gilt es der „Märtyrersynode“ von 1527 zu gedenken. Über sechs Dutzend führende Täufer aus ganz Süddeutschland, Österreich, Mähren und der Schweiz trafen sich in Augsburg. Die meisten wurden auf dem Rückweg von dem Treffen festgesetzt und hingerichtet. Wir haben noch Zeit zu überlegen, wie wir daran erinnern wollen.

Mit dem Reformationstag steht sowieso schon ein Gedenktag im Kalender. Vielleicht kann er die nächsten Jahre zum gemeinsamen Tag werden, auch um uns auf den gemeinsamen Grund zu besinnen.

WK