Sea-Eye glückt Befreiung des Rettungs­schiffes ALAN KURDI

Palermo, Rom, Regensburg 26.06.2020

Insgesamt verursachte die Blockade im Hafen von Palermo einen finanziellen Schaden von rund 70.000 €, berichtet Sea-Eye. Rund 20.000 € entfallen auf eine besondere Gebühr, die aufgrund der Corona Krise von „nicht-kommerziellen Schiffen“ verlangt wird. Die hohen Kosten können die Regensburger Seenotretterinnen und Seenotretter dank finanzieller Unterstützung des von der EKD initiierten Bündnisses „United 4 Rescue“ tragen. Der Preis für die Menschen die in der Zeit hätten gerettet werden können, lässt sich mit nichts wiedergutmachen.

Sea-Eyes Rettungsschiff ALAN KURDI Palermo
Foto: sea-eye.org

Seerechtsexperte nennt Italiens Maßnahmen rechtswidrig
Seerechtsexperte Valentin Schatz (Institut für Seerecht und Seehandelsrecht, Universität Hamburg) beriet Sea-Eye zusammen mit weiteren Expert*innen in den vergangenen Wochen. „Die technischen Anforderungen, die das italienische Verkehrsministerium an die ALAN KURDI stellt, entsprechen nicht der von den deutschen Behörden rechtmäßig bestimmten Schiffsklasse und missachten die für Seenotrettung geltenden Ausnahmen in den einschlägigen internationalen Abkommen zum Schutz der Meeresumwelt und zur Sicherheit des Seeverkehrs. Die Rechtswidrigkeit der italienischen Maßnahmen hat die Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr als deutsche Flaggenstaatsbehörde gegenüber den italienischen Behörden gerügt, wovon diese sich nicht haben beeindrucken lassen. Die Bundesregierung sollte sich bewusst machen, dass Italien mit solchen rechtswidrigen Festsetzungen deutscher Schiffe auch die völkerrechtlichen, gewährleisteten Rechte der Bundesrepublik Deutschland als Flaggenstaat der ALAN KURDI verletzt und den Ruf der deutschen Flagge beschädigt“, so Schatz. Sea-Eye wird daher alle möglichen Rechtsmittel zeitnah prüfen, um Klarheit zu schaffen.

55.000 Unterstützer*innen forderten Freilassung
Mit der Petition „Befreit die Rettungsschiffe“ forderte Sea-Eye die Freilassung der Rettungsschiffe ALAN KURDI und des spanischen Schiffes AITA MARI, das in Palermo ebenfalls festgehalten wurde. In einer Petition schlossen sich mehr als 55.000 Menschen dieser Forderung an. Leoluca Orlando, Bürgermeister von Palermo, setzte sich persönlich bei der italienischen Verkehrsministerin dafür ein, dass die Schiffe nicht aufgehalten werden.

Kirchliches Bündnis trägt Blockadekosten
Insgesamt verursachte die Blockade im Hafen von Palermo einen finanziellen Schaden von rund 70.000 €. Rund 20.000 € entfallen auf eine besondere Gebühr, die aufgrund der Corona Krise von "nicht-kommerziellen Schiffen“ verlangt wird. Die hohen Kosten können die Regensburger Seenotretter*innen dank finanzieller Unterstützung des von der EKD initiierten Bündnisses „United4Rescue“ tragen.

ALAN KURDI darf nach Spanien
Die ALAN KURDI ist wieder frei und hält nun Kurs auf die spanische Küste. Da Italien weiter an seiner Rechtsauffassung festhält, wird Sea-Eye in Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden nun prüfen, unter welchen Umständen das Schiff in den nächsten Einsatz fahren kann, ohne erneut von den italienischen Behörden festgesetzt zu werden. „Wir sind frei, aber nicht frei von weiteren Problemen. Man hat uns klar gedroht, dass man uns wieder festsetzen würde“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye. Bei einem Treffen in Rom, am 10. Juni, konnte Sea-Eye mit der italienischen Küstenwache vereinbaren, dass die ALAN KURDI den Hafen von Palermo verlassen darf, wenn der Flaggenstaat zustimmt und die spanischen Behörden mit der Ankunft der ALAN KURDI einverstanden sind. Die deutschen und spanischen Behörden stimmten schließlich zu. „Wir sind den spanischen und deutschen Behörden dankbar, dass man uns dabei geholfen hat, uns aus diesem verheerenden Würgegriff zu befreien“, sagt Isler weiter. Die von Italien verursachte rechtliche Unsicherheit vereitelt nun den geplanten Einsatz der ALAN KURDI im Juli. Eine weitere, noch längere Blockade könnte den Regensburger Verein ruinieren. „Wir werden eine Lösung finden, so wie es uns immer wieder gelungen ist und sind fest entschlossen, schon bald wieder Menschenleben zu retten“, schließt Isler ab.

Quelle: Pressemitteilung Sea-Eye
https://sea-eye.org

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